Episodi

  • Die spendenfreudige Gastrolegende - Kristl Moosbrugger
    Jan 25 2026

    Wenn Kristl Moosbrugger über den Weißen Ring spricht, dann nicht mit Nostalgie, sondern mit wacher Freude. Mit 83 Jahren stand sie kürzlich auch beim 20-jährigen Jubiläum des legendären Rennens wieder am Start – eines Rennens über 22 Pistenkilometer, das wie kaum ein anderes für Lech am Arlberg steht. Für sie ist es selbstverständlich: Solange es geht, wird gefahren. Nicht aus Ehrgeiz, sondern aus Begeisterung für Bewegung, Berge und Gemeinschaft.

    Geboren in St. Anton am Arlberg, ist sie mit den Skiern aufgewachsen. Präparierte Pisten, Skischulen oder Sicherheitsnetze gab es damals nicht. Man fuhr einfach los, wild, frei, mit Respekt vor dem Berg. Diese frühe Prägung – Eigenverantwortung, Mut und Bodenhaftung – zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben.

    Seit den 1960er-Jahren ist Kristl Moosbrugger untrennbar mit dem Hotel Gasthof Post in Lech verbunden. Die Gastronomie war für sie nie bloß ein Beruf, sondern Ausdruck von Persönlichkeit. Auf die Frage, ob sie diesen Weg noch einmal gehen würde, kommt die Antwort ohne Zögern: Ja. Weil es ihr Leben ist. Weil sie ein Mensch der Berge ist. Und weil echte Gastfreundschaft nur dort entsteht, wo jemand mit ganzem Herzen dahintersteht.

    Was sie von Anfang an ausgezeichnet hat, war Haltung. Diskretion gegenüber prominenten Gästen – ob europäische Königshäuser, Staatsmänner oder internationale Persönlichkeiten – war für sie selbstverständlich. Sie begegnete allen Menschen gleich: Mit Respekt, Freundlichkeit und ohne Unterwürfigkeit. Legendär ist die Episode aus dem Jahr 1966, als sie hochschwanger bewusst keinen Hofknicks vor dem Schah von Persien machte. Nicht aus Provokation, sondern aus Selbstachtung.

    Gerade diese Natürlichkeit machte das Haus Post zu einem Ort, an dem sich auch royale Gäste als Menschen bewegen konnten. Skifahren, Jagen, Kegeln, gemeinsame Zeit – fern von Öffentlichkeit. Dass Lech durch die regelmäßige Präsenz des niederländischen Königshauses international bekannt wurde, war kein Marketingkonzept, sondern ein glücklicher Zufall, getragen von Vertrauen und Charakter.

    Kristl Moosbrugger blickt ohne Verklärung auf die Veränderungen der Branche und benennt diese im ausführlichen Gespräch mit Bandi Koeck konkret: "Früher blieben Gäste zwei Wochen, heute wenige Tage. Früher kam man mit 50 ins Grandhotel, heute reist ein junges, internationales Publikum an. Früher war formelle Kleidung am Abend selbstverständlich, heute ist sie die Ausnahme." Sie urteilt nicht hart, aber klar: Kultur zeigt sich auch im Umgang miteinander – und im Respekt vor dem Ort, den Menschen und der Arbeit, die dahintersteht. Auch dass ihr Sohn den "Krawattenzwang" in der Gaststube beendet hat, ist für sie etwas, dem sie mit einer anderen Haltung gegenübersteht.

    Sorgen bereiten ihr weniger modische Fragen als strukturelle: Fehlende Nachfolge in Familienbetrieben, steigende Immobilienpreise, der Verlust gewachsener Dorfstrukturen. Sie fürchtet eine Zukunft, in der Hotels nur noch von Konzernen geführt werden – funktional, aber seelenlos.

    Vielleicht am eindrücklichsten ist ihr soziales Engagement. Nicht als Beiwerk, sondern als zweites Lebenswerk. Ihr größtes Projekt führte sie nach Nepal. Aus einer zufälligen Begegnung entstand die Mitarbeit am Verein „Nepalimed“, der den Bau eines Krankenhauses ermöglichte – inklusive Krankenschwesternschule, Personalhäusern und einer der ersten biologischen Kläranlagen des Landes.

    Später folgten ein Waisenhaus, das sie bis heute unterstützt, und zahlreiche weitere Initiativen. Besonders stolz ist sie auf das neue Wirtschaftsgebäude des Wildparks Feldkirch (Kosten 2,2 Mio Euro), das ohne Kredit, allein durch Spenden von Land, Stadt und regionalen Betrieben realisiert wurde. Hinzu kommen regelmäßige Unterstützungen für Organisationen wie "CliniClowns", "Tischlein deck dich", "Stunde des Herzens" oder Einzelinitiativen.

    Auch mit 83 Jahren denkt Kristl Moosbrugger weiter. Sie wünscht sich Orte der Begegnung in Lech und die Bereitschaft, füreinander Zeit zu haben.


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    35 min
  • Der international Gesuchte - Alexander Wieser
    Jan 17 2026

    Zehn Monate Auslandseinsatz. So nennt Alexander Wieser heute eine Zeit, die ihn fast alles gekostet hätte: Freiheit, Familie, Selbstachtung – und beinahe auch die Zukunft. Was nach einem Business-Trip klingt, war in Wahrheit ein Interpol-Haftbefehl, vier Länder, eine Spezialeinheit und die harte Realität der Einzelhaft. Österreich, Deutschland, Schweiz, Liechtenstein – gesucht, gefunden, eingesperrt.
    Er nennt es „Gitterbox“. Ein Wort, das klingt wie ein Parkplatz für Menschen, wie eine Endstation ohne Rückfahrkarte. Für Wieser war sie genau das – und zugleich der brutalste Wendepunkt seines Lebens.
    Geboren 1977 in Hard am Bodensee, aufgewachsen zwischen Autos, Motorengeräuschen und PS-Träumen, hatte Alex früh gelernt, wie man schraubt, repariert, schneller ist als andere. Doch irgendwann war Geschwindigkeit nicht mehr nur ein Hobby – sondern ein Lebensstil. Drei, vier Jobs reichten nicht mehr aus, um die selbstgebauten Probleme zu regulieren. Der „einfachste Weg“ wurde der falsche.
    Kleindelikte, Einbrüche, Raub, Juwelierüberfälle – „die komplette Palette“, wie er heute sagt. Und das auch noch schlecht organisiert. Einmal stand er im falschen Gebäude, im falschen Raum, während der Plan längst anders lautete. Verbrechen mit Slapstick-Charakter – bis es nicht mehr lustig war.
    Irgendwann redete jemand. In der Schweiz holte ihn die Spezialeinheit. Einzelhaft. Big Brother – live, ohne Bezahlung. „Es ist eine andere Welt“, sagt er. Eine Welt, in die er nie wieder zurück will - für kein Geld dieser Welt.
    Zehn Monate saß er – mit einem kurzen, bitteren Zwischenstopp draußen, ausgelöst durch einen Verfahrensfehler. Freiheit auf Zeit, nur um dann freiwillig zurückzugehen und die restlichen vier Monate abzusitzen. Für ihn schlimmer als die erste Inhaftierung.
    Seine Kinder sah er nicht. Aus Scham. Einmal durfte er seinen Sohn auf dem Parkplatz beobachten, während seine damalige Frau mit ihm spielte. Mehr Nähe erlaubte er sich nicht. Und als er zurückkam, war da plötzlich etwas, das vorher nie da war: Verlustangst. „Papa, du kommst heute Abend wieder heim, oder?“ – ein Satz, der tiefer schneidet als jede Gefängnistür.
    Wieser schrieb darüber ein Buch: „Zweite Chance verpasst“. Keine Heldenstory, sondern Aufarbeitung. Für ihn selbst. Zwei, drei Exemplare liegen bis heute in seiner Wohnung. Mahnmale. Koordinaten, damit er nie wieder die falsche Ausfahrt nimmt.
    99 Prozent der Reaktionen waren positiv. Aber es gab auch Abwendung, Freundschaftsbrüche, Unverständnis – sogar aus der eigenen Familie. Trotzdem: Das Buch war notwendig. Nicht als Imagepolitur, sondern als seelischer Frühjahrsputz. Ein neues Buch liegt bereits in der Schublade und muss nur noch veröffentlicht werden.
    20, 25 Bewerbungen. Ehrlich geschrieben: „Ich komme aus dem Gefängnis, brauche eine zweite Chance.“ Die Antworten? Meist keine. Der krumme Weg wäre leichter gewesen – alte Kontakte, alte Muster. Doch Wieser brach radikal mit seiner Vergangenheit.
    Heute ist er Familienmensch, Unternehmer, Autofanatiker mit Herz und Speaker mit Haltung. Der gelernte KFZ-Mechaniker führt Mastercars Lackzentrum im Aargau: Lackiererei, Spenglerei, Verkauf und Vermietung – vom Polo bis zum Lamborghini, vom Smart bis zum G63. Sein Lieblingsauto? Ausgerechnet der Smart. Wegen des Wendekreises. Und weil Statussymbole für ihn längst ihren Glanz verloren haben.
    Als Mentaltrainer steht Wieser heute auf Bühnen, vor Jugendlichen, mehreren Schulklassen oder einer ganzen Schule, vor sogenannten „schwierigen Zielgruppen“. Er zieht die Hosen runter – im übertragenen Sinn – und erzählt von Unterführungen, von Nächten im Auto, von Momenten, in denen selbst das Auto weg war. Perspektivenwechsel statt Phrasen.
    Seine Botschaft ist unbequem ehrlich:
    Fehler darf man machen – aber manche lassen sich nicht mehr reparieren. Respekt ist keine Floskel, sondern Überlebensstrategie. Und Positivität bedeutet nicht, dass alles rosarot ist – sondern dass man selbst an grauen Tagen das Beste daraus macht.

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    17 min
  • Der gastroaffine Ausnahmekünstler - Thomas Anton Rauch
    Jan 8 2026

    Wer das Atelier von Thomas Anton Rauch in Feldkirch betritt, überschreitet keine Schwelle, sondern eine Welt. Man muss sich ducken, vorbei an Stromkastentüren, hinein in ein Labyrinth aus Besteckskulpturen, Tierpräparaten, Schweißnähten, Farbschlieren, ironischen Zitaten und bitterernstem Humor. Hier arbeitet ein Mann, der nie in eine Schublade gepasst hat – und der genau daraus seine künstlerische Kraft schöpft.

    Rauch, 61 Jahre alt und ursprünglich aus Frastanz, hat nicht an einer Kunstakademie begonnen, sondern auf hoher See. Nach seiner Lehre zum Maschinenmechaniker fuhr er zwei Jahre zur See – ein Leben zwischen Urlaubszwang und Ozean, zwischen Freiheit und Exzess. Was aus dieser Zeit blieb? „Alkohol“, sagt er trocken – und eine tiefe Kenntnis menschlicher Abgründe.

    1999 eröffnete er mit seinem Bruder die legendäre „Sonderbar“ in Feldkirch – eine Institution der Vorarlberger Szene. Zwanzig Jahre lang war sie Treffpunkt für Anwälte und Sandler, Banker und Punks, Musiker, Literaten und Nachtgestalten aller Art. Türsteher? Brauchte es nie. Zu divers war das Publikum, zu offen der Geist. Rauch war sein eigener bester Kunde – der erste an der Bar, der letzte, der ging.

    Mit fünfzig zog Rauch die Reißleine. Die Gastronomie ließ er hinter sich, nicht aber das Leben. „Wenn ich es jetzt nicht versuche, mache ich es nie mehr.“ Seit elf Jahren ist er freischaffender Künstler, Mitglied der Berufsvereinigung Bildender Künstler in Bregenz, Paletton- und Taxis-Mitglied.

    Seine Kunst nennt er am ehesten Objektkunst: Alltagsgegenstände verlieren ihren Zweck, Tierpräparate werden zu Leoparden, Besteck zu Skulpturen, Herrgottsbilder zu bitteren Kommentaren über Religion und Macht. Sozialkritisch, politisch unkorrekt, oft schmerzhaft – etwa wenn er Frauenporträts mit Sicherheitsnadeln durch die Stirn versieht, um auf Altersarmut, Lohnungleichheit oder Kinderehen hinzuweisen.

    Rauchs Werke sind keine Dekoration. Sie sind Zumutungen. Ein geschweißtes Kreuz mit daran hängender Suppenkelle trägt den Titel „Mein Schöpfer.“ Donald Trump erscheint als Bühnenstück zwischen zerrissenen Fahnen, Hillary Clinton springt mit Freiheitsfackel hervor, während Martin Luther King übermalt wird. Aus einer Fischdose windet sich eine Schlange an einem zum Leoparden mutierten Reh empor – Titel: „Es ist nicht immer drin, was draufsteht.“ Eine Metapher auf Politik, Beziehungen und das Leben selbst.

    Besonders eindrücklich: sein Bild „Der ewige Kreislauf“. Wildschweinkopf, Menschenhand, Karotte. Pflanze frisst Tier, Tier frisst Mensch, Mensch stirbt. Ende? Vielleicht Reinkarnation als Karotte. Rauch glaubt nicht an ein Leben nach dem Tod, wohl aber an Verantwortung im Jetzt: gegen Gewalt, gegen Populismus, gegen den europaweiten Rechtsruck.

    Neben der Kunst war Rauch auch Autor – zwei Kriminalromane liegen hinter ihm, ein dritter fertig in der Schublade. Keine Lust mehr, sagt er. Vielleicht auch, weil seine Kunst längst laut genug spricht.

    Er arbeitete für Erwin Wurm an „Fat Cars“, gestaltete mit dem Fotografen Alexander S. eine preisgekrönte Gondel am Flumserberg, ist aktuell in der Galerie Koukou Phi und im internationalen Ausstellungsformat heimspiel.tv in der Kunsthalle St. Gallen vertreten.

    Thomas Anton Rauch ist kein Wohlfühlkünstler. Er ist ein Störenfried mit Schweißgerät, ein Chronist der Brüche, ein ehemaliger Barkeeper, der die Nacht kennt – und das Leben. Er malt, schweißt, sammelt, montiert fast täglich, wie ein ganz normaler Arbeiter. Nur dass seine Produkte Fragen stellen, wo andere Antworten verkaufen.

    Ein Mann wie Rauch passt in keine Vitrine. Er gehört ins Atelier, in den Schweißrauch, ins pralle Leben – und genau dort entfaltet seine Kunst ihre ganze, unbequeme Schönheit.

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    27 min
  • Die Spitalsseelsorgerin - Juliana Troy
    Dec 25 2025

    Wenn andere Weihnachten im Kreis ihrer Familien feiern, geht Dr. Juliana Troy durch Krankenhausflure. Leise, aufmerksam, präsent. Dort, wo Worte oft fehlen und das Leben an seinen Rändern tastet, ist sie da – als Spitalsseelsorgerin, als Hörende, als Mensch.

    Juliana Troy arbeitet im Landeskrankenhaus Rankweil und in Feldkirch. Sie begleitet Menschen in der Psychiatrie, der Neurologie und der Onkologie – in Momenten tiefer Verzweiflung ebenso wie in Augenblicken leiser Hoffnung. Dass sie ausgerechnet an Weihnachten Dienst macht, ist für sie keine Pflichtübung, sondern eine bewusste Entscheidung. „Gerade dann“, sagt sie, „brauchen viele Menschen jemanden, der da ist.“

    Geboren und aufgewachsen zwischen Innsbruck, Wien und dem Bregenzerwald, trägt Juliana Troy verschiedene Welten in sich. Mütterlicherseits hat sie indische Wurzeln, ein Jahr ihres Lebens verbrachte sie in Pune, wo sie katholische Theologie studierte – als eine von wenigen Frauen unter hunderten angehenden Priestern. Diese Erfahrung hat sie geprägt: das Leben in der Minderheit, die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen, Religionen und Denkweisen.

    Ursprünglich wollte sie Medizin studieren. Heute wirkt sie an der Schnittstelle von Körper, Seele und Geist – vielleicht näher an den Menschen, als es ein klassischer Arztberuf je erlaubt hätte. Nach einem Theologie- und Philosophiestudium, einer Ausbildung in der Krankenhausseelsorge und einem abgeschlossenen Doktorat fand sie ihre Berufung dort, wo Menschen mit Krankheit, Sterben und existenziellen Fragen konfrontiert sind.

    Juliana Troy ist verheiratet, Mutter von drei Kindern – und sie weiß aus eigener Erfahrung, wie kostbar und zerbrechlich das Leben ist. Diese Bodenhaftung spürt man in Gesprächen mit ihr. Sie missioniert nicht. Sie hört zu. Ihre Seelsorge gilt allen Menschen, unabhängig von Religion oder Weltanschauung. „In erster Linie geht es um Begleitung“, sagt sie. „Nicht um Antworten.“

    Besonders eindrücklich sind ihre Erfahrungen mit Sterbenden. Sie erlebt, wie unterschiedlich Menschen Abschied nehmen: manche im Kreis ihrer Liebsten, andere still, wenn niemand mehr im Raum ist. Für sie ist klar: Auch das Sterben ist so individuell wie das Leben. Und es braucht Würde, Zeit und oft einfach jemanden, der aushält.

    Weihnachten versteht Juliana Troy nicht als idyllisches Fest, sondern als radikale Botschaft der Nähe: Gott wird Mensch – mitten im Unfertigen, im Leid, im Chaos. Diese Botschaft übersetzt sie in eine Sprache, die niemanden erschreckt, sondern trägt. Besonders in der Psychiatrie ist das eine sensible Gratwanderung. Hoffnung darf nicht zur Drohung werden.

    Wenn sie von Weihnachten spricht, dann nicht pathetisch. Sondern leise. Als Einladung, menschlich zu werden – immer wieder neu. Für die Patientinnen und Patienten. Für ihre Angehörigen. Und auch für sich selbst.

    Name: Dr. Juliana Troy
    Alter: 48
    Beruf: Spitalsseelsorgerin
    Arbeitsorte: LKH Rankweil und Feldkirch
    Ausbildung:

    • Studium der Theologie und Philosophie (Innsbruck)

    • Krankenhausseelsorge-Ausbildung

    • Doktorat

    • Studienjahr in Pune (Indien)

    Familiäres: Verheiratet, Mutter von drei Kindern
    Wurzeln: Österreichisch-indisch (mütterlicherseits)
    Besonderheit: 24/7-Seelsorgeeinsätze, auch an Feiertagen
    Leitgedanke: Begleiten statt belehren – Hoffnung ohne Angst

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    32 min
  • Der gesellige Kunstmaler - Gerhard Montibeller
    Dec 21 2025

    Wenn man Gerhard Montibeller begegnet, den alle nur „Monti“ nennen, spürt man sofort: Hier spricht nicht nur ein Maler, hier spricht ein Mensch, der Kunst lebt – gesellig, neugierig, humorvoll und zutiefst verbunden mit den Menschen um ihn herum. Der bekannte Vorarlberger Kunstmaler ist nicht nur für seine Bilder, sondern vor allem für seine Fähigkeit bekannt, andere für Kunst zu begeistern. Seit einem Vierteljahrhundert prägt er mit dem Malgrund Satteins einen Ort, an dem Kreativität, Austausch und Gemeinschaft selbstverständlich zusammengehören.

    Montibellers Weg zur Malerei begann früh – fast zwangsläufig. Er wuchs in einer Malerfamilie auf, sein Vater Angelo arbeitete im Atelier im Feldkircher Kanalareal. Der Geruch von Terpentin, Ölfarben und Leinwand wurde für den jungen Gerhard zu einer Art Heimat. Schon als Kind war das Atelier Spielplatz und Schule zugleich. Farben, Papiere, Staffeleien – alles war da, alles durfte ausprobiert werden.

    Zunächst führte ihn sein beruflicher Weg allerdings zur Fotografie. Dort lernte er Bildaufbau, Komposition und das bewusste Sehen – Fähigkeiten, die später seine Malerei entscheidend prägen sollten. Intensiv zu malen begann er vergleichsweise spät, erst mit rund 50 Jahren. Doch was spät begann, entwickelte eine umso größere Kraft. Heute, mit fast 80 Jahren, blickt Montibeller auf ein beeindruckendes künstlerisches und kulturelles Lebenswerk zurück.

    Die Initialzündung für den Malgrund kam nicht im Atelier, sondern durch die Begegnung mit anderen Künstlerinnen und Künstlern. Gemeinsames Arbeiten, Diskutieren und Lernen – diese Erfahrung wollte Montibeller nach Vorarlberg holen. Zusammen mit Gleichgesinnten gründete er eine Malgruppe, aus der schließlich der Malgrund entstand.

    Nach mehreren provisorischen Ateliers fand der Verein 2005 seine dauerhafte Heimat im ehemaligen Konsumgebäude am Kirchplatz in Satteins. Dort entwickelte sich der Malgrund rasch zu einem kulturellen Fixpunkt: freies Malen, Kurse in unterschiedlichsten Techniken, Workshops, Ausstellungen und Gemeinschaftsprojekte. Unter dem Dach des Malgrunds entstand zudem die Frastanzer Kunstakademie, die heute ein umfangreiches Kursprogramm mit renommierten Dozentinnen und Dozenten anbietet.

    Was den Malgrund besonders macht, ist nicht nur das Programm, sondern die Atmosphäre. Jeden Montag treffen sich die Mitglieder zum gemeinsamen Essen und anschließendem freien Malen. Menschen aus ganz Vorarlberg – und weit darüber hinaus – kommen nach Satteins, um hier zu arbeiten, zu lernen und sich auszutauschen. Besucherinnen und Besucher reisen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz, Liechtenstein und sogar aus entfernteren Ländern an.

    Auch Kinder und Jugendliche finden im Malgrund ihren Platz: Aktionen wie das beliebte Sonnenmalen oder die Gauki-Wochen verbinden Kunst spielerisch mit Gemeinschaft und hinterlassen sichtbare Spuren – bunte Sonnen in Gärten weit über Satteins hinaus.

    Neben seiner organisatorischen Arbeit ist Montibeller vor allem eines: Maler. Seine Werke reichen von Aquarell über Acryl bis Öl. Besonders bekannt sind seine Bergbilder. Mit augenzwinkerndem Humor kommentiert er Fragen nach der „Besteigung“ seiner Motive: Man müsse einen Berg nicht erklimmen, um ihn malen zu können. Entscheidend sei der Blick, nicht die Höhe.

    Seine Ausstellungen – von „Monte Mountains“ über thematische Gemeinschaftsprojekte bis hin zu großformatigen Arbeiten – zeugen von Experimentierfreude und Lust am gemeinsamen Gestalten. Immer wieder gelingt es ihm, andere mitzunehmen, einzubinden und zu ermutigen, neue Wege zu gehen.

    2025 feiert der Malgrund Satteins sein 25-jähriges Bestehen. In diesen Jahren wurden tausende Menschen erreicht: durch Kurse, Workshops, Ausstellungen, Kunstaktionen im öffentlichen Raum und internationale Begegnungen. Fahnen mit Originalkunstwerken im Ortsbild, großformatige Gemeinschaftsbilder und immer neue Projekte zeigen, wie lebendig dieser Ort geblieben ist.

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    18 min
  • Der erfahrene DJ - Fred Dee Gilgen
    Dec 12 2025

    Wer Fredi Gilgen – vielen besser bekannt als DJ Fred Dee – in seinem Reich im liechtensteinischen Ruggell besucht, betritt eine Welt, die nach Groove, Vinyl und gelebter Leidenschaft duftet. Zwischen aufgetürmten Plattenkoffern, einem einzigartigen DJ-Pult und einer Musiksammlung, die mit rund 50.000 Tonträgern zu den eindrucksvollsten weit über die Region hinaus zählt, strahlt dieser Mann eine Ruhe aus, die nur Menschen besitzen, die ihr Element gefunden haben.

    Text, Bilder und Podcast: Bandi Koeck

    Dabei begann alles unscheinbar: ein Handrekorder zu Weihnachten, ein Tape von Reinhard Mey, die erste gekaufte Platte – Neil Diamond, mit elf Jahren. Wer ihn heute erlebt, kann sich das Schlüsselmoment fast bildlich vorstellen: Der junge Fredi, der mit großen Augen den Plattencover in Händen hält und nicht ahnt, dass gerade ein Funke zündet, der Jahrzehnte später Tanzflächen füllen und eine ganze DJ–Karriere prägen wird.

    Doch bevor die Plattenspieler zu seinem Leben wurden, machte er Karriere in der Banken- und Marketingwelt, studierte Marketing, arbeitete als Texter, Lektor und gründete seine eigene Agentur „The Point“. Präzise Sprache, kreative Konzepte, klare Linien – Elemente, die man auch in seinen DJ-Sets spürt. Musik besteht für ihn nicht aus Dateien, sondern aus Handwerk, Charakter und dem Funk, der sich im Inneren breitmacht. Vielleicht ist es genau dieser Anspruch, der seine Forever Young Partys zu einem Publikumsphänomen machte. Zwischen 19 und 78 tanzen dort jene zusammen, die jung sind – und jene, die sich jung fühlen. Perfekter kann ein Konzept kaum aufgehen.

    Wenn Fred Dee an seinem DJ-Pult steht – einem Unikat, das mit hunderten winziger Lämpchen flackert – entsteht ein Zauber, der sich kaum kopieren lässt. Er ist kein Jukebox-DJ, keiner, der blind Wünsche erfüllt. Er ist ein Kurator, einer, der mit feinfühligem Gespür Menschen und Generationen musikalisch zusammenbringt. Vom Funk, der ihn prägte, über Disco-Klassiker bis zu aktuellen Tracks, die echten Groove haben. Alles muss leben. Alles muss Seele haben. KI-Musik? Skepsis. Denn da fehlt etwas, sagt er – dieses organische, unperfekte, das Musik erst menschlich macht.

    Wer ihn erlebt, merkt schnell: Für Fredi ist Musik keine Tätigkeit. Sie ist sein Atemrhythmus. Ob auf der Bühne, in seinem Studio, im Fitnessraum oder bei einem Konzertbesuch – Musik begleitet ihn und treibt ihn an. Sie ist der Motor hinter 31 Jahren DJ-Erfahrung, unzähligen Nächten bis frühmorgens, hinter 1,1 Millionen Songs im Kopf und Herzen.

    Und doch bleibt er bodenständig: Familienmensch, Vater zweier Töchter, leidenschaftlicher Musikliebhaber, Sammler, der selbst heute noch staunt, was ein guter Beat auslösen kann.

    Fredi Gilgen ist weit mehr als ein DJ.
    Er ist ein musikalischer Brückenbauer.
    Einer, der Menschen bewegt – im besten Sinne des Wortes.

    Name: Fredi Gilgen
    DJ-Name: Fred Dee
    Wohnort: Ruggell, Liechtenstein
    Geburtsjahr: 1965
    Beruf: DJ, Inhaber der Marketing- und Textagentur „The Point“
    Musiksammlung: ca. 50.000 Platten, riesige Beatles-Sammlung, zahlreiche Raritäten
    DJ seit: 29 Jahren (Start mit 29)
    Bekannt für: Forever Young Partys, genreübergreifende Sets, charaktervoller Musikgeschmack
    Lieblingsmusik: Funk, Indie, The Beatles, Prince, KISS, Disco-Klassiker
    Technik: einzigartiges, maßgefertigtes DJ-Pult
    Privat: verheiratet mit Rita, Vater zweier Töchter, tägliches Fitnessprogramm
    Unvergessliches Konzert: Prince – „Sign of the Times“-Tour 1987 im Hallenstadion Zürich


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    25 min
  • Der Telefonbuchzerreisser und Wettkönig - Wilfried Kohler
    Dec 5 2025

    Wenn man heute in Dornbirn-Watzenegg den Namen Wilfried Kohler erwähnt, beginnen die Leute zu schmunzeln, zu staunen – oder beides. Denn dieser Mann, Jahrgang 1952, ist etwas wie eine lebende Sage: der Telefonbuchzerreißer, der am 5. Dezember 1995 im fernen Rostock auf der Bühne von Wetten, dass..??? bei Thomas Gottschalk die Alpenrepublik und die Millionen Zuschauer vor den Fernsehgeräten in Staunen versetzte. Und das mit einem Objekt, das in den 90ern noch zu den härtesten Dingen im Haushalt gehörte – dem Telefonbuch.

    Dabei fing alles ganz unspektakulär an: In Dornbirn organisierte Wilfried jahrelang einen eigenwilligen Fünfkampf mit Disziplinen, die heute vermutlich in jedem Arbeitsschutzhandbuch unter „bitte niemals nachmachen“ aufscheinen würden. Da wurde mit Mittelfingern gezogen, am Boden mit dem Hals gestoßen und die Fäuste quer über Tische geschoben. Kraft war Wilfried also nicht fremd – aber Telefonbücher? Die hatte er bis dahin nicht einmal zerrissen gesehen.

    Dann kam der legendäre Trainingsnachmittag in Tirol: Dort wurden Teilnehmer für eine Kraftsportveranstaltung getestet, und der Test bestand aus – natürlich – Telefonbüchern. Wilfried bekam ein Innsbrucker Exemplar in die Hand, schaute kurz, lachte ein bisschen… und riss es einfach entzwei. Auf Anhieb. Ohne zu wissen, dass das irgendjemanden beeindrucken würde.

    Ab da nahm die Geschichte ihren eigenen Lauf: Wettbewerbe, Vorarlberger-Ausscheidungen, Proben mit Holzsägen und Schwedensägen – und schließlich der Anruf vom ZDF. Ein Kamerateam reiste an, Wilfried zeigte seine Kräfte, und kurze Zeit später hieß es: „Herr Kohler, wir hätten da eine Show in Rostock…“

    Die Proben in Rostock verliefen chaotisch, aber erfolgreich. Eine Generalprobe? Brauchte Wilfried nicht. Ein 600-Gramm-Steak am Abend davor? Ja, bitte. Ein paar Schnäpse? Gehören für das Dornbirner Urgestein und den leidenschaftlichen Schnapsbrenner selbstverständlich dazu. Im Podcast betonte er, dass er ein paar Flaschen Schnaps mit im Gepäck hatte und einen nervösen Dortmunder Wettkandidaten, der mit Gummibändern Kerzen ausmachen wollte und bei der Generalprobe gescheitert war, zum Schnapstrinken animierte: "An Schluck Schnaps schadat nia!"

    Beim Sektfrühstück mit Thomas Gottschalk am Wett-Tag selbst gönnte er sich am Abend noch ein 400 g Steak.

    Als er dann auf die Bühne trat, war alles wie weg: Lampenfieber, Kameras, Publikum – nur Wilfried und das Papier. Und dann riss er los. Achtelte sogar. Die Halle tobte. Gottschalk grinste. Und der Wettkönig des Abends hieß:
    Wilfried Kohler aus Watzenegg!


    Die nächsten Jahre wurden nicht ruhiger:

    • Wilfried zerriss 500 Telefonbücher in der Dornbirner Messehalle.
    • Ein Verlag schickte ihm völlig kommentarlos acht Paletten voller Wiener Telefonbücher – ein Albtraum für jeden Postboten, ein Fest für Kohlers Oberarme.
    • Ungefragt erhielt er acht Paletten mit Telefonbüchern - nicht irgendwelche - sondern jene aus der Bundeshauptstadt Wien die doppelt so dick waren wie jene aus dem Westen. Am Fußballplatz in der Haselstauden stellte er sich einem Rekordversuch und zerriss kurz darauf weitere 3400 Wiener Telefonbücher, schön aufgelegt von der oberen bis zur unteren Linie eines Fußballfelds.
    • Dafür landete er im Guinness Buch der Weltrekorde – als Mann, der offiziell mehr Telefonbücher zerreißt als irgendein anderer Mensch auf dem Planeten.

    Und während andere ihren Ruhm ausschlachten, blieb Wilfried der bodenständige Dornbirner, der lieber für ein soziales Projekt reißt – und dafür maximal eine Wurst und ein Bier verlangt.

    Außerhalb des Telefonbuchuniversums ist Wilfried ein kreativer Tausendsassa:
    Gelernter Bodenleger, lange Zeit Leiter der Postabteilung der Stadt, leidenschaftlicher Schnapsbrenner, Hersteller des berühmten „Pumuckl“-Himbeergeists für die Weltgymnaestrada, Lieferant für besondere Anlässe, Enzian-Ausgräber und Produzent hochprozentiger Spezialitäten.

    Und wenn man ihn heute trifft, 30 Jahre später?
    Er wird immer noch darauf angesprochen – fast täglich.

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    26 min
  • Die junge Singer-Songwriterin - Annelie Pilz
    Dec 3 2025

    Sie wirkt zuerst wie die freundliche junge Frau von nebenan – bis sie zu singen beginnt. Dann wird klar: Annelie Pilz ist eine, die man nicht übersieht, sondern hört. Und das am besten zweimal. Die 2005 geborene Singer-Songwriterin aus Hohenweiler verbindet eine warme, klare Stimme mit beeindruckender emotionaler Präzision. Genau diese Mischung macht sie zu einer der spannendsten jungen Musikerinnen aus der Region.

    Dabei hat Annelie eigentlich schon einen anderen Berufsweg eingeschlagen: Sie hat Sozialpädagogik studiert und arbeitet beim MOHI als persönliche Assistentin für Menschen mit Behinderung. Ein Job, der viel Einfühlungsvermögen verlangt – und den sie mit derselben Ruhe, Empathie und Hingabe ausfüllt, die auch ihre Musik prägt.

    Ihre Debüt-Single „Everything She Is“ zeigt genau das: radiotauglich, gefühlvoll, eigenständig. Kein Zufallsprodukt, sondern der Auftakt zu etwas Größerem. Wer Annelie im Gespräch erlebt, spürt ihren Enthusiasmus sofort. Im Podcast erzählt sie offen darüber, wie sehr sie Musik begleitet, wie sie sich entwickelt hat und warum sie diese Momente im Studio so liebt – besonders, wenn der vielzitierte „Weihnachtszauber“ ins Spiel kommt .

    Wenn sie nicht singt, findet man sie in der Natur, mit einem Zeichenblock oder beim Spaziergang mit ihrem Hund. Ihre Lieblingskünstler – Aurora und Michael Patrick Kelly – hört man subtil zwischen den Zeilen, ohne dass sie jemals ihren eigenen Klang verliert.

    Annelie Pilz ist kein Social-Media-Phänomen, kein Zufallsfund, keine künstlich gepushte Stimme. Sie ist eine echte Entdeckung. Eine junge Künstlerin, die weiß, wo sie herkommt – und gerade erst beginnt, zu zeigen, wohin sie kann.


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    7 min