Die spendenfreudige Gastrolegende - Kristl Moosbrugger copertina

Die spendenfreudige Gastrolegende - Kristl Moosbrugger

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Wenn Kristl Moosbrugger über den Weißen Ring spricht, dann nicht mit Nostalgie, sondern mit wacher Freude. Mit 83 Jahren stand sie kürzlich auch beim 20-jährigen Jubiläum des legendären Rennens wieder am Start – eines Rennens über 22 Pistenkilometer, das wie kaum ein anderes für Lech am Arlberg steht. Für sie ist es selbstverständlich: Solange es geht, wird gefahren. Nicht aus Ehrgeiz, sondern aus Begeisterung für Bewegung, Berge und Gemeinschaft.

Geboren in St. Anton am Arlberg, ist sie mit den Skiern aufgewachsen. Präparierte Pisten, Skischulen oder Sicherheitsnetze gab es damals nicht. Man fuhr einfach los, wild, frei, mit Respekt vor dem Berg. Diese frühe Prägung – Eigenverantwortung, Mut und Bodenhaftung – zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben.

Seit den 1960er-Jahren ist Kristl Moosbrugger untrennbar mit dem Hotel Gasthof Post in Lech verbunden. Die Gastronomie war für sie nie bloß ein Beruf, sondern Ausdruck von Persönlichkeit. Auf die Frage, ob sie diesen Weg noch einmal gehen würde, kommt die Antwort ohne Zögern: Ja. Weil es ihr Leben ist. Weil sie ein Mensch der Berge ist. Und weil echte Gastfreundschaft nur dort entsteht, wo jemand mit ganzem Herzen dahintersteht.

Was sie von Anfang an ausgezeichnet hat, war Haltung. Diskretion gegenüber prominenten Gästen – ob europäische Königshäuser, Staatsmänner oder internationale Persönlichkeiten – war für sie selbstverständlich. Sie begegnete allen Menschen gleich: Mit Respekt, Freundlichkeit und ohne Unterwürfigkeit. Legendär ist die Episode aus dem Jahr 1966, als sie hochschwanger bewusst keinen Hofknicks vor dem Schah von Persien machte. Nicht aus Provokation, sondern aus Selbstachtung.

Gerade diese Natürlichkeit machte das Haus Post zu einem Ort, an dem sich auch royale Gäste als Menschen bewegen konnten. Skifahren, Jagen, Kegeln, gemeinsame Zeit – fern von Öffentlichkeit. Dass Lech durch die regelmäßige Präsenz des niederländischen Königshauses international bekannt wurde, war kein Marketingkonzept, sondern ein glücklicher Zufall, getragen von Vertrauen und Charakter.

Kristl Moosbrugger blickt ohne Verklärung auf die Veränderungen der Branche und benennt diese im ausführlichen Gespräch mit Bandi Koeck konkret: "Früher blieben Gäste zwei Wochen, heute wenige Tage. Früher kam man mit 50 ins Grandhotel, heute reist ein junges, internationales Publikum an. Früher war formelle Kleidung am Abend selbstverständlich, heute ist sie die Ausnahme." Sie urteilt nicht hart, aber klar: Kultur zeigt sich auch im Umgang miteinander – und im Respekt vor dem Ort, den Menschen und der Arbeit, die dahintersteht. Auch dass ihr Sohn den "Krawattenzwang" in der Gaststube beendet hat, ist für sie etwas, dem sie mit einer anderen Haltung gegenübersteht.

Sorgen bereiten ihr weniger modische Fragen als strukturelle: Fehlende Nachfolge in Familienbetrieben, steigende Immobilienpreise, der Verlust gewachsener Dorfstrukturen. Sie fürchtet eine Zukunft, in der Hotels nur noch von Konzernen geführt werden – funktional, aber seelenlos.

Vielleicht am eindrücklichsten ist ihr soziales Engagement. Nicht als Beiwerk, sondern als zweites Lebenswerk. Ihr größtes Projekt führte sie nach Nepal. Aus einer zufälligen Begegnung entstand die Mitarbeit am Verein „Nepalimed“, der den Bau eines Krankenhauses ermöglichte – inklusive Krankenschwesternschule, Personalhäusern und einer der ersten biologischen Kläranlagen des Landes.

Später folgten ein Waisenhaus, das sie bis heute unterstützt, und zahlreiche weitere Initiativen. Besonders stolz ist sie auf das neue Wirtschaftsgebäude des Wildparks Feldkirch (Kosten 2,2 Mio Euro), das ohne Kredit, allein durch Spenden von Land, Stadt und regionalen Betrieben realisiert wurde. Hinzu kommen regelmäßige Unterstützungen für Organisationen wie "CliniClowns", "Tischlein deck dich", "Stunde des Herzens" oder Einzelinitiativen.

Auch mit 83 Jahren denkt Kristl Moosbrugger weiter. Sie wünscht sich Orte der Begegnung in Lech und die Bereitschaft, füreinander Zeit zu haben.


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