• 11 - Auf den Anfang kommt es an - was braucht ein Baby fürs Leben?
    Oct 18 2026

    Was braucht ein Baby, um sich sicher in der Welt zu fühlen? Warum sind Berührung, Geruch und Stimme so wichtig? Und was geschieht, wenn in dieser frühen Zeit etwas fehlt?

    Darüber sprechen wir in der neuen Folge von „Ungehalten“ mit Dr. Agathe Israel. Die Kinderpsychiaterin, Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit frühester Entwicklung und den Folgen früher Trennung. Schon zu DDR-Zeiten setzte sie sich kritisch mit der Betreuung kleiner Kinder auseinander. Später untersuchte sie die Erfahrungen ehemaliger Krippenkinder. Heute engagiert sie sich in der Gesellschaft für frühkindliche Bindung für, die Bedürfnisse von Babys und Kleinkindern stärker in den Mittelpunkt zu rücken.

    Unser Gespräch führt deshalb von der Wochenkrippe bis in die Gegenwart: Was prägen die allerersten Erfahrungen für das spätere Leben? Was lässt sich später noch verändern? Wann ist ein Kind bereit für institutionelle Betreuung? Und warum wird über diese Frage bis heute so erbittert gestritten?

    Am Ende geht es um eine Frage, die weit über die Wochenkrippe hinausreicht: Was brauchen Kinder am Anfang ihres Lebens und was müssen Eltern und Gesellschaft dafür möglich machen?

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    1 ora e 20 min
  • 10 - Was wirklich geschah: Die führende Forscherin zu DDR-Wochenkrippen
    Oct 4 2026

    In dieser Folge von „Ungehalten" spricht die Historikerin Dr. Heike Liebsch über ihre zehnjährige Forschung zu Wochenkrippen in der DDR – einem Thema, das lange als bloße „Marginalie" abgetan wurde und dennoch bis zu 680.000 Kinder betraf. Sie erläutert, wie diese Zahlen wissenschaftlich ermittelt wurden, und schildert den streng reglementierten Alltag in den Einrichtungen: eine tägliche Kontaktzeit zu Erwachsenen von nur rund 20 Minuten, sowie bislang kaum dokumentierte Praktiken wie das Fixieren von Kindern in Gitterbetten mit Lederriemen, an denen sich mehrfach Kinder strangulierten.

    Besonders eindringlich berichtet Liebsch von den Zuständen bei Nacht – einer Nachtwache, die für 25 Kinder allein zuständig war und selbst schlief, oder einem Hausmeister als einziger Aufsicht für 80 Kinder. Sie erzählt von jungen Erzieherinnen, die heimlich mit den Kindern spielten, weil Zärtlichkeit offiziell als „Verwöhnung" galt, und von zwei ehemaligen Erzieherinnen, die in Tränen ausbrachen, als sie zum ersten Mal von der Bindungstheorie erfuhren.

    Ausführlich geht Liebsch zudem auf die Rolle der Pädiaterin Eva Schmidt-Kollmer ein, die die DDR-Erziehungspläne prägte, sowie auf den internationalen Vergleich mit der Tschechoslowakei, wo der kritische Dokumentarfilm „Kinder ohne Liebe" eine öffentliche Debatte auslöste – in der DDR hingegen verboten blieb. Ohne Schuldzuweisungen, aber mit schonungsloser Klarheit zieht sie abschließend Parallelen zu heutigen 24-Stunden-Kitas und plädiert für einen gesellschaftlichen Diskurs über frühe Fremdbetreuung.

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    1 ora e 18 min
  • 09 - Kann man Geborgenheit lernen? Wege aus dem Trauma
    Sep 20 2026

    In dieser Folge von „Ungehalten" führt die Diplom-Psychologin und systemische Therapeutin Katharina Kautzsch das Gespräch über Trauma fort und richtet den Blick nach vorn: Wie lässt sich das Erlebte verarbeiten?

    Sie erklärt, dass Traumafolgen neurowissenschaftlich betrachtet nicht „überschrieben", aber durch neue neuronale Vernetzung und positive Erfahrungen verändert werden können. Ausführlich beantwortet sie eine Zuhörerfrage zum Thema Urvertrauen und erläutert den Unterschied zwischen Selbstmitleid und Selbstmitgefühl als zentralem Konzept der Traumaverarbeitung. Kautzsch schildert, wie ehemalige Wochenkinder in ihrer Praxis vorkommen und plädiert dafür, dass Betroffene ihre frühe Geschichte aktiv in Therapien einbringen sollten.

    Breiten Raum nimmt ihr Buch „Geborgenheitserleben in Krisen, Leid und Trauer" ein, in dem sie den Begriff der Geborgenheit als Zustand des Gesehen-, Gehalten- und Aufgehobenseins definiert. Sie beschreibt praktische Übungen zur Selbstberuhigung, etwa gezielte Selbstberührung, Körperwahrnehmung und Imagination sicherer Orte, sowie den Unterschied zwischen Bottom-up- und Top-down-Ansätzen in der Traumaarbeit. Weitere Themen sind die Klopftechnik nach Fred Gallo, die neue Therapieform Sinosomatics, die Rolle von Spiritualität als Schutzfaktor gegen Depression nach Forschung von Lisa Miller sowie künstlerische Ausdrucksformen als Bewältigungshilfe.

    Abschließend reflektiert Kautzsch über die eigene Betroffenheit von Therapeutinnen und Therapeuten im Umgang mit traumatisierten Klienten und gibt anhand eines eigenen Fallbeispiels Einblick in ihre Arbeitsweise.

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    55 min
  • 08 - Eine Erzieherin erinnert sich: Nähe war nicht erwünscht
    Sep 6 2026

    Sie war 16, als sie in eine DDR-Wochenkrippe kam – nicht als Kind, sondern als Auszubildende. Ruth, Jahrgang 1953, erzählt in dieser Folge, was sie dort erlebt hat: Säuglinge, die zu zehnt in einem Zimmer lagen, Bett an Bett, mit einem Laufgitter in der Mitte. Ruth beschreibt die sterile Übergabesituation an einer großen Glastür: Eltern klingelten, das Personal nahm die Kinder entgegen und schloss die Tür wieder – die Eltern mussten draußen warten, bis ihnen am Ende die Kleidung der Kinder übergeben wurde. Die Räume selbst durften sie nie betreten.

    Ruth beschreibt den durchgetakteten Alltag zwischen festen Wickelzeiten, Einheitskleidung und minutiös geführten Entwicklungsbögen, in denen jede Fähigkeit der Kinder farblich bewertet wurde. Ein striktes Verbot, sich zu sehr an ein einzelnes Kind zu binden, prägte den Umgang – zu viel Nähe war nicht erwünscht. Als sie sich einmal über die Essensqualität beschwerte, wurde sie zur Strafe in die Windelküche geschickt.

    Sie erzählt, wie sie sich selbst in dieser Zeit nicht wiedererkannt hat – eigentlich immer angepasst und brav – und wie sie schließlich gegen den erklärten Willen ihrer Mutter und gegen den Druck des Systems, das ihr „asoziales Verhalten" vorwarf, ihre Ausbildung nach nur neun Monaten abbrach. Vor der versammelten Klasse musste sie sich öffentlich rechtfertigen.

    Bis heute erinnert sich Ruth an Namen und Gesichter einzelner Kinder und fragt sich, was aus ihnen geworden ist. Eine ehemalige Erzieherin blickt zurück auf ein System, das Distanz zur Methode erhob. Erstmals in „Ungehalten": die Perspektive von der anderen Seite der Glastür.

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    1 ora e 14 min
  • 07 - Wochenkrippe: Trauma inklusive? Eine Psychologin klärt auf.
    Aug 23 2026

    In dieser Folge von „Ungehalten" ist die Diplom-Psychologin und Traumatherapeutin Katharina Kautzsch zu Gast, um die Wochenkrippenerfahrung aus fachlicher Perspektive einzuordnen. Sie erläutert Konzepte wie den Totstellreflex, die „traumatische Zange" und die Rolle von Oxytocin bei der Bindungsregulation. Anhand der Unterscheidung zwischen Löwenzahn- und Orchideenkindern erklärt sie, warum Kinder unterschiedlich auf Trennungserfahrungen reagieren. Themen sind zudem die Entwicklung von Objekt- und Personenpermanenz, verschiedene Bindungsmuster nach Mary Ainsworth (sicher, ambivalent, vermeidend, desorganisiert) sowie die Bedeutung von Feinfühligkeit und Framing beim Übergang in die Fremdbetreuung. Kautzsch ordnet die Wochenkrippenzeit als mögliches Entwicklungs- und Bindungstrauma ein und verweist auf epigenetische Forschung zu transgenerationaler Weitergabe von Stresserfahrungen. Diskutiert werden außerdem gesellschaftliche Rahmenbedingungen damals und heute, die Verantwortung von Eltern und Politik sowie aktuelle Debatten um 24-Stunden-Kitas. Die Folge schließt mit einem Ausblick auf die nächste Episode zum Umgang mit solchen Traumata.

    Hier der Link zum Buch von Katharina Kautzsch "Geborgenheitserleben in Krisen, Leid und Trauer: Tröstend und heilsam begleiten":

    https://www.buch7.de/produkt/geborgenheitserleben-in-krisen-leid-und-trauer-katharina-kautzsch/1048698925?ean=9783525408285

    Hier der Link zu ihrer Website:
    https://katharina-kautzsch.de/

    Wenn Sie Kontakt mit uns aufnehmen wollen, schreiben Sie uns an: ungehalten@wochenkinder.de

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    1 ora e 15 min
  • 06 - Eine Mutter erinnert sich: Karlas Sicht auf die Wochenkrippe
    Aug 9 2026

    In dieser besonderen Folge von „Ungehalten" lädt Alexander seine eigene Mutter Karla als Gast ein, um die Perspektive der Elterngeneration auf das Thema Wochenkrippe zu ergänzen.

    Karla, Jahrgang 1944, in Westpommern geboren und als Kleinkind auf der Flucht nach Leipzig gekommen, wuchs selbst größtenteils bei ihrer Großmutter auf, da ihre Mutter arbeiten musste. Sie berichtet von ihrem Wunsch nach Berufstätigkeit und persönlicher Weiterentwicklung, der Schwangerschaft mit Alexander außerhalb einer festen Partnerschaft sowie der Trennung vom Kindesvater kurz vor der Geburt.

    Karla schildert die organisatorischen Abläufe der Wochenkrippenzeit, bei denen meist ihre Mutter und der Kindesvater die Übergabe übernahmen, während sie selbst kaum physischen Kontakt zur Einrichtung hatte.

    Sie spricht offen über verdrängtes schlechtes Gewissen, die finanzielle Notwendigkeit der Fremdbetreuung mangels Krippenplätzen sowie über Unterschiede zur Betreuung ihres zweiten Sohnes, der nicht in die Wochenkrippe musste. Rückblickend reflektiert sie die psychologischen Auswirkungen der frühen Trennung und äußert den Wunsch, die Entscheidung könnte rückgängig gemacht werden.

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    39 min
  • 05 - Allein gelassen: Alexanders Kindheit in der Wochenkrippe
    Jul 26 2026

    In dieser sehr persönlichen Folge von „Ungehalten" öffnet sich Podcast-Host Alexander und erzählt erstmals ausführlich von seiner eigenen Kindheit als Wochenkind in der DDR der 1970er Jahre. Schon mit neun Monaten wurde er unter der Woche in eine Wochenkrippe in Leipzig gegeben, weil seine alleinerziehende Mutter keine andere Betreuung fand und schon nach sechs Wochen wieder arbeiten musste.

    Zwischen alten Fotos, Entwicklungsbögen und den liebevoll zusammengestellten Erinnerungsbüchern seiner Mutter sucht Alexander nach Spuren einer Zeit, an die er sich selbst kaum erinnern kann – und stößt dabei auf schmerzhafte Details, etwa die Vermutung, seine Geburtstage ganz allein in der Krippe verbracht zu haben.

    Offen und mit spürbarer Zurückhaltung spricht er über das Gefühl des Verlassenseins, über nächtliche Einsamkeit als Schlüsselkind und darüber, wie schwer es ihm bis heute fällt, große Nähe und Liebe wirklich anzunehmen.

    Zwischen Dankbarkeit für seine Mutter und leiser Wut über ein System, das Mütter zur schnellen Trennung von ihren Babys zwang, entsteht ein bewegendes Porträt kindlicher Prägung – und die Ankündigung, dass seine Mutter in der nächsten Folge selbst zu Wort kommen wird.

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    1 ora e 1 min
  • 04 - Sandy - Adoptiert nach dem Wochenheim
    Jul 12 2026

    Was bedeutet es, wenn frühe Trennungserfahrungen gleich mehrfach zusammenkommen?

    In dieser Folge ist Sandy Graf zu Gast. Sie verbrachte ihre ersten Lebensjahre als Wochenkind in der DDR und wurde später adoptiert. Als Erwachsene begann sie, nach ihrer Herkunft zu suchen – und stieß dabei auf Antworten, mit denen sie nie gerechnet hätte.

    Wir sprechen über Identität, Scham, Loyalität, die Suche nach den eigenen Wurzeln und darüber, warum manche Fragen ein Leben lang bleiben. Ein persönliches und bewegendes Gespräch über zwei Erfahrungen, die sich gegenseitig verstärken können: Wochenkrippe und Adoption.

    Buch: Sandy Graf – „Adoptierte Indianer kennen keinen Schmerz, oder doch?“
    Kontakt: Treff für erwachsene Adoptierte unter erwachseneAdoptierteLeipzig@t-online.de

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    1 ora e 11 min