1986 stand ein Zehnjähriger aus der Vulkaneifel vor dem Eingang der Photokina in Köln. Drinnen hatten Kodak, Agfa und Polaroid ganze Hallen für sich. Heute gibt es die Photokina nicht mehr, und von den meisten dieser Hallen ist auch nichts geblieben. Sven Nieder nennt das die digitale Disruption im Schnelldurchlauf.
Eigentlich wollte ich mit dem Geschäftsführer der Kraterleuchten GmbH nur über digitale Souveränität sprechen. Im Vorgespräch habe ich dann gemerkt, dass sich der Umbruch durch sein ganzes Berufsleben zieht. Zuerst hat er ihn als Fotograf im Familienbetrieb erlebt, dessen Labore über Nacht ohne Agfa-Chemie dastanden. Jetzt erlebt er ihn als Verleger, mitten in der KI-Welle. Wir sprechen darüber, wie er sich die Prozessmodelle der Taskforce IT-Standards von einer KI so übersetzen lässt, dass sein ganzes Team sie versteht. Außerdem geht es darum, warum er vor jeder neuen Software zuerst fragt, wie er wieder davon wegkommt, und warum Unabhängigkeit trotzdem nicht heißt, alles selbst zu bauen.
Und irgendwann widerspricht er mir. Als ich die Rückbesinnung auf Qualität anspreche, schüttelt Sven den Kopf. Die Postkarten auf Eifeler Platt, die sein Verlag auf einem alten Heidelberger Tiegel druckt, sind für ihn Handarbeit, aber objektiv nicht die beste Technik. Und wenn ein Autor schon mit KI über sein Manuskript gegangen ist, kommt es in der Regel besser bei ihm an als vorher.
Das kommt in dieser Folge vor:
- Warum Fotografinnen und Fotografen 1995 ihr Dia-Archiv noch für ihre Rente hielten
- Gut 25 Bücher, rund 60 Aufgaben pro Titel: wie eine KI aus einer Numbers-Liste das komplette Projekt-Setup im Taskmanagement angelegt hat
- File over App und Best of Breed
- Wie Kraterleuchten nach dem Ausstieg aus einer Verlagssoftware die eigenen Daten in eine Open-Source-Datenbank geholt hat und heute über Langdock mit einem Klick zwischen Modellen wechseln kann, ob von OpenAI, Anthropic, Google oder Mistral
- Wo Sven bewusst selbst Hand anlegt, obwohl die KI es könnte
- Human in the Lead statt Human in the Loop
Über Sven Nieder
Sven Nieder führt als Geschäftsführer der Kraterleuchten GmbH in Daun sechs Imprints unter einem Dach. 2026 wurde Kraterleuchten mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet.
Das Fotografenhandwerk hat er im Familienbetrieb gelernt, den sein Großvater in der Vulkaneifel gegründet hat. Als Fotograf war er mit der Camera Obscura auf dem Jakobsweg und mit dem Hundeschlitten in Grönland unterwegs, und einer seiner Bildbände war für den Deutschen Fotobuchpreis nominiert.
Als Co-Sprecher der Taskforce IT-Standards im Börsenverein des Deutschen Buchhandels setzt er sich dafür ein, dass Verlage selbst formulieren können, was sie von einer Software brauchen, bevor sie sich an einen Anbieter binden.
Über Dr. Christina Lauer
Ich unterstütze Verlage und Bildungsorganisationen dabei, nachhaltige Entscheidungen zu treffen – mit Blick auf Content-Strukturen und Technologien rund um Digitalisierung und KI.
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