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  • Ambivalenz, aber Luise. mit dem Künstler Rainer Ehrt Folge 4 Amor, Psyche und Preussen
    Feb 28 2026

    Unser Gast, der satirische Zeichner Rainer Ehrt, sieht die preußischeGeschichte sehr kritisch, er selberspricht von Hass-Liebe. Seine jüngsteGraphic Novel widmet er aber Luise. Eine heute kaum noch bekannte Königin,einst umrankt von Legenden, verehrt als Madonna des Vaterlands, stilisiert zurnationalen Ikone – und doch zugleich eine sehr reale Frau mit Charme,Widersprüchen und politischem Instinkt. Ehrt ist kein Historiker, sondern einkünstlerischer Chronist. Einer, der auch kritisch ist – vor allem zurWiederaufbau preußischer Schlösser und vor allem der Garnisonkirche. Erbewundert die ästhetische Sensibilität und die Reformbereitschaft einzelner Herrscher– und bleibt doch sensibel gegenüber Militarismus, Autoritätsdenken undspäterer nationalistischer Vereinnahmung.

    Gerade deshalb ist Luise für ihn so spannend. Sie passt nicht in daseinfache Schwarz-Weiß-Bild Preußens. Sie war jung, lebenslustig, modischstilprägend – ein Star ihrer Zeit. Als sie mit ihrem Mann durch Kassel reiste,pilgerten Studenten aus Göttingen zu Fuß dorthin, nur um einen Blick auf sie zuerhaschen. In Berlin führte sie den Walzer bei Hofe ein – ein Skandal fürkonservative Kreise. Und sie schrieb leidenschaftliche Briefe, die heute nochberühren. Politisch trat sie in einem Moment auf die große Bühne, als Preußenam Boden lag: nach der Niederlage gegen Napoleon 1806. Die berühmte Begegnungmit Napoleon Bonaparte wurde später zum Mythos verklärt – die schöne Königin,die dem mächtigen Eroberer gegenübertritt. Doch was war Projektion, wasRealität? Ehrt interessiert weniger das Pathos als der Moment, in dem eine Frauin einer von Männern dominierten Machtwelt Haltung zeigt. Obwohl sie ihrempazifistischen Gatten vom „schändlichen Frieden“ abrät. Friedrich Wilhelm III.,zeichnet Ehrt zögerlich oder hölzern, aber auch als – als innerlich zerrissenenHerrscher, der das Grauen des Krieges erlebt hatte und Gewalt zutiefstablehnte. Luise war für ihn Partnerin, Stütze, vielleicht auch politischeImpulsgeberin. Eine echte Liebesbeziehung im preußischen Königshaus – dasallein bricht schon mit vielen Klischees.

    Neben historischen Einordnungen geht es immer wieder um die Möglichkeitender Kunst. Wie nähert man sich einer Figur, deren Bild vor allem ausIdealisierungen besteht? Wie zeichnet man eine Frau, deren Aussehen nur ansatzweisein Gemälden, Büsten und einer Totenmaske überliefert ist? Ehrt spricht überGestaltwandel, Mode, Projektionen – und über die Herausforderung, Charme undEleganz sichtbar zu machen, ohne in Kitsch zu verfallen.

    Auch der größere Bogen fehlt nicht: Wo endet Preußen, wo beginntDeutschland? Welche Linien führen vom Reformstaat ins Kaiserreich? Und wasmachen wir heute mit diesem Erbe? Zwischen Grabmälern, Klassizismus undIndustriezeitalter – von Johann Gottfried Schadow bis Adolf von Menzel –entfaltet sich ein Panorama, das Preußen weder verklärt noch verdammt. Auch diesePodcastfolge guckt hinter die Klischees - mit Beziehungen, Briefen oder Bildern.

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    40 min
  • 3. Verkleidet, vertont und fast vergessen - Popsong für die preußische Jeanne d'Arc mit Dr. Beate Klompmaker
    Feb 26 2026

    Diese Folge widmen wir einer historischen Figur, die bis heute fasziniert : Eleonore Prochaska - 1785 geboren schloss sie sich 1813, als Mann verkleidet, dem Lützowschen Freikorps im Kampf gegen Napoleon an. Unter dem Namen August Renz kämpfte sie als Soldatin, wurde schwer verwundet und starb kurz darauf. Nach ihrem Tod wurde sie als „preußische Jeanne d’Arc“ verklärtund zur patriotischen Heldin stilisiert. Dichter wie Friedrich Rückert widmeten ihr Gedichte, und Ludwig van Beethoven komponierte den berühmten Trauermarsch zum Tod einer Heldin.

    Doch wer war Eleonore Prochaska? Was trieb sie an? Patriotismus, Freiheitsdrang, persönliche Emanzipation – oder der Wunsch nach einem anderen Leben jenseits enger Geschlechterrollen? Für diese Fragen haben wir dieKunstwissenschaftlerin, Musikerin und Konzeptkünstlerin Beate Klompmaker eingeladen. Ihr Popsong für Eleonore begleitet unseren Podcast als Titelmusik. Beate nähert sich Prochaska nicht nur historisch, sondern künstlerisch und medial.Ausgangspunkt ihres Projekts war eine Zeichnung der jungen Frau, die sie in einer Ausstellung entdeckte. Daraus entwickelte sie ein vielschichtiges Kunstprojekt: ein Reenactment mit einer heutigen Darstellerin, eine mediale Installation im Böhmischen Dorf mit u.a.vertonten Briefen Prochaskas. Klompmaker übertrug die Figur in die Gegenwart, in einem künstlerischenBlog-Projekt ließ sie „Eleonore“ als moderne Soldatin aus Afghanistan berichten. Über soziale Medien entwickelte die historische Figur eine eigene Dynamik – zwischen Trostspenderin, Projektionsfläche und Objekt der Begierde.Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwammen bewusst.

    Das Gespräch weitet sich von der historischen Figur hin zu aktuellen Fragen: Wie entsteht Mythos? Wann kippt Erinnerung in Kitsch? Wie gehen wir mit Heldenerzählungen um?
    Auch das Berliner Stadtschloss steht zur Debatte: zwischen Identitätssuche, Kolonialismus-Debatte, Kunst am Bau und gesellschaftlicher Ambivalenz.
    Die Episode verbindet Geschichte, Kunst, Musik und Gegenwartsfragen – und zeigt, wie eine historische Jugendliche Diskussionen über Krieg, Geschlechterrollen, Selbstermächtigung und politische Verantwortung anstoßen kann.

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    38 min
  • 2. Tafelrunde, Toleranz & Tierliebe mit Sibylle Prinzessin von Preußen
    Feb 21 2026

    In dieser Folge steht noch einmal Friedrich der Große im Mittelpunkt –aus einer außergewöhnlichen Perspektive. Zu Gast ist die Künstlerin und Autorin Sybille Prinzessin von Preußen, die sich intensiv mit der preußischen Geschichte und insbesondere mit Friedrichs Persönlichkeit auseinandergesetzthat. Gemeinsam mit dem Historiker Dr. Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen veröffentlichte sie Bücher über Friedrichs Denken aus künstlerischer wie familiärer Sicht.

    Thema ist eine oft übersehene Facette: Friedrichs Verhältniszu Tieren – insbesondere zu seinen Windspielen. Für Sybille von Preußen sind die Hunde kein exzentrisches Accessoire, sondern Ausdruck einer tiefen Sensibilität. Enttäuscht von politischen Intrigen und menschlicher Unzuverlässigkeit, habe Friedrich in seinen Tieren etwas „Unverstelltes“ und„Echtes“ gefunden. Seine Kritik an der Jagd im „Anti-Machiavell“,verfasst im Dialog mit Voltaire, zeige eine für das 18. Jahrhundert bemerkenswerte ethische Haltung gegenüber der Kreatur. Besonders berührend ist die Schilderung eines Briefwechsels zwischen Friedrich und seiner SchwesterWilhelmine, in dem beide aus der Perspektive ihrer Hunde schreiben – ein kreativer Weg, nach Jahren des Schweigens wieder zueinanderzufinden. Tiere werden hier zu Vermittlern von Versöhnung und Empathie.

    Ein weiterer Fokus liegt auf Friedrichs Religionsverständnis. Anders als viele europäische Herrscher seiner Zeit setzteer auf religiöse Toleranz. Am Beispiel des Berliner Hedwig-Doms – gedacht als eine Art Pantheon für verschiedene Glaubensrichtungen – wird deutlich, wie sehr ihn der Gedanke eines überkonfessionellen Miteinanders prägte. Inspirationerhielt er unter anderem durch die Auseinandersetzung mit Isaac Newton, dessen Vorstellung einer beseelten Schöpfung Friedrich kannte und schätzte. Und durch eine fast vergessene Figur : Graf Rothenburg. Er hatte als einziger einfestes Gästezimmer im Schloss Sanssouci und war ein enger Vertrauter Friedrichs. Er schenkte ihm sein erstes Windspiel, Biche, die auf einem Gemälde im Schloss zu finden ist, Nach seinem frühen Tod sagte Friedrich II. „er hatte einen zweiten Cäsarion verloren“ Bis heute spielt er in der Geschichtsschreibung aber kaum eine Rolle.

    Die Folge bringt mehrere neue Aspekte und Einsichten in dieDiskussion und plädiert insgesamt für eine differenziertere Betrachtung der preußischen Geschichte. Am Ende bleibt eine zentrale Botschaft, die über das 18. Jahrhundert hinausweist: Toleranz, Verantwortung und der respektvolle Umgang mit Mensch und Tier sind keine modernen Erfindungen – sie waren bereits Teil eines aufgeklärten Denkens.

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    37 min
  • 1. Friedrich - Größe und Selbstvermarktung Folge 1 von Amor, Psyche und Preußen mit Dr. Jürgen Luh
    Feb 19 2026

    Warum der Podcast?

    War Friedrich ein Großer?

    Und der kleine Bruder auch?

    Zu Gast ist Dr. Jürgen Luh, Historiker & Autor u.a. von “Der Große. Friedrich II. von Preußen.“


    „Mit welchem Vorurteil, mit welcher verkitschen Auffassung oder welchem Mythos möchten Sie gern aufräumen?“ ist jeweils eine der ersten Fragen der Gastgeber Julia Theek & Gert Streidt. Mit dem preußischenKulturerbe haben sie sich beide immer wieder befasst. Und bitten zum Gespräch Sir Christopher Clark , Rainer Ehrt, Jörg Kirschstein, Dr. Beate Klompmaker , Barbara Kuster, Prof. Ulrike Liedtke, Dr. Jürgen Luh, Sibylle Prinzessin von Preußen, Prof. Peter Raue , Barbara Schneider-Kempf , Dr.Christiane Theobald, Michaela van den Driesch und aus dem Archiv ein Interview von 2006 mit dem Generaldirektor der Staatlichen Schlösser und Gärten Potsdam - Sanssouci 1966- 1992 - Joachim Mückenberger.

    In dieser 1. Folge von Amor, Psyche und Preußen begrüßen wirden Historiker Dr. Jürgen Luh, Direktordes Research Center Sanssouci und einer der führenden Experten zu Friedrich demGroßen. Er betrachtet den König nicht nur als Herrscher, sondern alsvielschichtige Figur, deren Wirken bis heute nachhallt. Die Folge erzählt, wieLuhs Forschungen das Bild Friedrichs geprägt haben, insbesondere in der Vorbereitungauf den 300. Geburtstag des Königs. Seine Arbeiten legen ein neues Verständnisnahe, wie der König als Mäzen, Politiker und Impulsgeber in seine Kulturwelt prägteund aktuell nachwirkt.

    Dr. Jürgen Luh, promovierter Historiker, leitet das „ResearchCenter Sanssouci. Für Wissen und Gesellschaft“- eine Forschungskooperation derStiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, der UniversitätPotsdam und der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Ausgehend vomgeistigen und materiellen Kulturerbe Brandenburg-Preußens, werden Fragestellungenund Projekte interdisziplinär entwickelt und präsentiert. Seine Forschungsschwerpunkte sind dieGeschichte des Heiligen Römischen Reiches, die Militär- sowie diebrandenburgisch-preußische Geschichte. Seit 2008 ist Dr. Jürgen Luh in der SPSGfür Wissenschaft und Forschung zuständig. Er kuratierte u. a. die Ausstellungen„Die Kaiser und die Macht der Medien“ 2005-2006, „Macht und Freundschaft“ 2008sowie 2012 die Jubiläumsausstellung „Friederisiko“ zum 300. GeburtstagFriedrichs des Großen im Neuen Palais in Potsdam. Er ist Autor u.a. der Bücher„Der Große. Friedrich II. von Preußen“ (2011) und „Der kurze Traum derFreiheit. Preußen nach Napoleon“ (2015) und “Der Große Kurfürst – Sein Lebenneu betrachtet” (2020) und Der Kronprinz und das Dritte Reich. Wilhelm vonPreußen und der Aufstieg des Nationalsozialismus. (2023)


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    41 min