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  • Wie viel Rat braucht Erziehung? Eltern zwischen Orientierung und Überforderung
    Oct 13 2026

    „Rat ist allgegenwärtig geworden. Heute begegnet Eltern Rat auch in Social Media – Rat, den sie gar nicht gesucht haben,“ sagt Prof. Dr. Ulf Sauerbrey

    Wie viel Bildschirmzeit ist gut für mein Kind? Was hilft, wenn mein Kind die Nacht nicht durchschlafen kann?

    Eltern finden heute auf nahezu jede Erziehungsfrage eine Antwort – mithilfe digitaler Medien – auf Blogs, in Podcasts und sozialen Medien oder direkt bei KI-Chatbots. Doch die unüberschaubare Fülle an Ratschlägen kann auch verunsichern und unter Druck setzen. In dieser „WortMelder“-Folge spricht Prof. Dr. Ulf Sauerbrey darüber, wie sich Elternrat verändert hat, woran sich gute Ratgeber erkennen lassen und welche Rolle Forschungserkenntnisse und Wissen dabei spielen (sollten).

    Ob Attachment Parenting, Gentle Parenting oder bedürfnisorientierte Erziehung: Unterschiedliche Konzepte konkurrieren um die Aufmerksamkeit von Eltern. Dabei berufen sich viele Ratgeber auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Doch aus der Forschung lassen sich nicht automatisch Handlungsempfehlungen ableiten. Mit dem Aufkommen generativer KI erhält die Suche nach Erziehungsrat eine weitere Dimension. Chatbots beantworten Fragen rund um Kinder und Erziehung unmittelbar – doch auf welche Wissensquellen stützen sich ihre Antworten? Und wie können Eltern einschätzen, ob die Empfehlungen tatsächlich verlässlich sind?

    Prof. Dr. Ulf Sauerbrey plädiert dafür, wissenschaftliches Wissen verständlich und zugänglich zu machen, statt Eltern mit immer neuen Handlungsanweisungen zu versorgen. Denn nicht jede Erziehungsfrage braucht eine allgemeingültige Antwort. Entscheidend ist vielmehr, Forschungsergebnisse kritisch einzuordnen und daraus passende Lösungen für den eigenen Alltag zu entwickeln.

    Prof. Dr. Ulf Sauerbrey ist seit 2024 Professor für Kindheit und Jugend in digitalen Bildungswelten an der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt. Zuvor war er Professor für Kindheitspädagogik an der Hochschule Neubrandenburg und in verschiedenen wissenschaftlichen Positionen an den Universitäten Erfurt, Graz, Jena und Bamberg tätig. Er studierte Erziehungswissenschaft und Neuere Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, wo er 2013 promovierte und 2017 habilitiert wurde. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören Kindheit und digitale Medien, Erziehung und Elternschaft sowie die Erforschung von Ratgebermedien. Im April 2026 erschien der von ihm gemeinsam mit Tessa-Marie Menzel und Fabian Hemmerich herausgegebene Sammelband „Digitale Ratgebermedien“.

    Mehr zu Prof. Dr. Ulf Sauerbrey: https://www.uni-erfurt.de/erziehungswissenschaftliche-fakultaet/fakultaet/profil/fachgebiete-und-professuren/grundschulpaedagogik-und-kindheitsforschung/kindheit-und-jugend-in-digitalen-bildungswelten/team/ulf-sauerbrey

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    44 min
  • Geschlechtersensible Medizin – Warum gleiche Behandlung nicht immer gerecht ist
    Jul 22 2026

    „Wir müssen Patientinnen stärken – vor allem aber müssen wir Ärztinnen besser darin schulen, Symptome von Anfang an ernst zu nehmen“, sagt Dr. Sarah Eitze.

    Herzinfarkte werden bei Frauen häufig später erkannt. Endometriose bleibt oft jahrelang undiagnostiziert. Medikamente wirken bei Frauen und Männern teilweise unterschiedlich. Gleichzeitig gelten viele medizinische Erkenntnisse noch immer als Standard, obwohl sie überwiegend an männlichen Probanden gewonnen wurden.

    „Endometriose betrifft Millionen Menschen. Dass viele trotzdem im Stillen leiden und jahrelang ohne Diagnose bleiben, sollte sich keine Gesellschaft leisten“, sagt Dr. Sigrid März.

    In dieser Folge des WortMelder-Podcast sprechen wir darüber, warum Geschlecht in der Medizin eine wichtige Rolle spielt – biologisch ebenso wie gesellschaftlich. Gemeinsam mit der Gesundheitswissenschaftlerin Dr. Sarah Eitze und der Wissenschaftsjournalistin Dr. Sigrid März geht es um Forschungslücken, stereotype Vorstellungen im medizinischen Alltag und die Frage, wie eine geschlechtersensible Medizin dazu beitragen kann, Diagnosen schneller zu stellen, Therapien individueller anzupassen und die Versorgung aller Menschen zu verbessern.

    Dabei wird deutlich: Geschlechtersensible Medizin bedeutet nicht, Menschen unterschiedlich wertzuschätzen. Sie bedeutet, Unterschiede dort zu berücksichtigen, wo sie medizinisch relevant sind – damit alle Menschen die bestmögliche Behandlung erhalten können.

    Dr. Sarah Eitze ist Gesundheitswissenschaftlerin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Gesundheitskommunikation der Universität Erfurt. Sie beschäftigt sich mit Wissenschafts- und Gesundheitskommunikation sowie der Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich vermittelt werden können. Im Verbundprojekt GendiMedNet verantwortet sie die Wissenschaftskommunikation zu geschlechtersensibler Medizin.

    Dr. Sigrid März ist promovierte Biologin, Wissenschaftsjournalistin und Autorin. Sie recherchiert und schreibt vor allem zu Medizin- und Gesundheitsthemen. Gemeinsam mit Prof. Dr. Stefanie Burghaus veröffentlichte sie den Ratgeber „Let’s talk about Endometriose“ und setzt sich dafür ein, medizinisches Wissen verständlich und evidenzbasiert zu vermitteln.

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    54 min
  • Allein unter vielen: Der Alltag in DDR-Kinderkrippen
    Jul 3 2026

    „Die Forschung zeigte, dass sich Kinder in Familien im Durchschnitt besser entwickelten – politisch erwünscht waren diese Ergebnisse jedoch nicht“, sagt PD Dr. Carolin Wiethoff.

    Wie erlebten Säuglinge und Kleinkinder den Alltag in den DDR-Krippen der 1950er- und 1960er-Jahre? Die Historikerin PD Dr. Carolin Wiethoff zeigt in dieser „WortMelder“-Podcastfolge, wie politische Ziele, Personalmangel und institutionelle Zwänge das Leben der jüngsten DDR-Bürger*innen prägten – und warum die Perspektive der Kinder lange übersehen wurde.

    Auf Basis bislang wenig ausgewerteter Quellen wird deutlich, dass viele Kinder trotz großer Gruppen nur wenig individuelle Zuwendung erhielten und insbesondere in Wochenkrippen und Säuglingsheimen häufig lange von ihren Eltern getrennt waren. Gleichzeitig dokumentierten zeitgenössische Studien bei den Kindern bereits früh Entwicklungsverzögerungen und gesundheitliche Probleme.

    Das Gespräch macht deutlich, wie eng der Ausbau des Krippensystems mit den politischen und wirtschaftlichen Zielen der DDR verbunden war. Die Einrichtungen sollten nicht nur die Erwerbstätigkeit von Frauen ermöglichen, sondern auch zur Gestaltung der sozialistischen Gesellschaft beitragen. Forschungsergebnisse, die auf Probleme und Risiken für die Kinder hinwiesen, gerieten dadurch in Konflikt mit staatlichen Vorgaben und wurden zunehmend reglementiert.

    PD Dr. Carolin Wiethoff ist seit 2018 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der Universität Erfurt. In Forschung und Lehre beschäftigt sie sich insbesondere mit der Geschichte von Bildung und Erziehung, reformpädagogischen Entwicklungen sowie Bildungsreformen im 19. und 20. Jahrhundert. Weitere Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen in der historischen Kindheitsforschung und der Bildungsgeschichte der DDR. Sie promovierte an der Universität Potsdam mit einer Arbeit zur Rentenversicherung und beruflichen Rehabilitation in der DDR und war zuvor Stipendiatin des Forschungsnetzwerkes Alterssicherung (FNA) der Deutschen Rentenversicherung BUND.

    Mehr zu ihrem Buch „Allein unter vielen – Alltag, Ausbau und Krise der Kinderkrippen in der DDR 1950-1968“ findet ihr unter: https://www.uni-erfurt.de/erziehungswissenschaftliche-fakultaet/fakultaet/aktuelles/publikationen/publikation-detail/publikation-allein-unter-vielen

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    36 min
  • Teacher Well-Being: Lehrkräfte stärken heißt Schule stärken
    May 20 2026

    „Wir wollen doch, dass Lehrkräfte, denen wir unsere Kinder anvertrauen, ihr Bestes geben können“, sagt PD Dr. Benjamin Dreer-Göthe.

    Der Lehrerberuf gilt als anstrengend, belastend, manchmal sogar als abschreckend. Über Lehrkräftemangel, Burnout oder Unterrichtsausfall wird regelmäßig diskutiert. Doch was passiert, wenn der Blick fast ausschließlich auf Überforderung gerichtet ist? Genau darüber spricht PD Dr. Benjamin Dreer-Göthe in dieser „WortMelder“-Folge. Der Bildungsforscher beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Teacher Well-Being – also mit der Frage, wie Lehrkräfte langfristig gesund, motiviert und wirksam arbeiten können. Sein Ausgangspunkt dabei: Wohlbefinden bedeutet nicht einfach nur, Stress zu vermeiden.

    Es geht um die Frage, wie Schulen gestaltet sein müssen, damit Lehrkräfte gesund, motiviert und wirksam arbeiten können: Welche Rolle spielen Schulklima, Führung und psychologische Sicherheit? Warum entstehen viele Belastungen strukturell? Und wie können Schulen gemeinsam Routinen hinterfragen, um wieder mehr Raum für gute pädagogische Arbeit zu schaffen?

    Denn klar ist: Die Arbeitsbedingungen von Lehrkräften sind immer auch die Lernbedingungen der Schüler*innen.

    PD Dr. Benjamin Dreer-Göthe ist Wissenschaftlicher Geschäftsführer der Erfurt School of Education an der Universität Erfurt. In Forschung und Lehre beschäftigt er sich insbesondere mit dem Wohlbefinden von Lehrkräften – sowohl in der Ausbildung als auch im Berufsalltag. Weitere Schwerpunkte seiner Arbeit liegen im Mentoring und in der Professionalisierung der Lehrkräftebildung. Er ist Mitglied der Expert*innengruppe „Well-being at School“ der Europäischen Kommission. Für seine wissenschaftliche Arbeit erhielt er zuletzt den „Outstanding Paper Award 2024“ des Emerald Publishing für seinen und den bis heute noch meisten gelesenen Artikel über den Stand der Forschungsliteratur zum Thema Wohlbefinden und Mentoring angehender Lehrkräfte im Fachmagazin „International Journal of Mentoring and Coaching in Education“.

    Sein neues Buch „The Ultimate Guide to Teacher Well-Being“ findet ihr unter: https://www.emerald.com/books/monograph/21474/The-Ultimate-Guide-to-Teacher-Well-Being⁠

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    43 min
  • Iran-Krieg: Wie Desorientierung Medien und Politik in die Irre führt
    Apr 23 2026

    „Wir nehmen Trump immer noch viel zu ernst, statt die Tiefenstrukturen der Irrationalität seiner Politik klar freizulegen“, sagt Prof. Dr. Kai Hafez.

    Die aktuelle mediale Berichterstattung zum Krieg im Iran ist geprägt von Unsicherheit, offenen Fragen und widersprüchlichen Einschätzungen. Ob Waffenruhen halten, Verhandlungen zustande kommen oder politische Strategien überhaupt existieren, bleibt oft unklar. Diese Ungewissheit ist jedoch nicht nur Teil des Konflikts selbst – sie verweist auch auf grundlegende Probleme in Medien und Politik, sagt unser Gast dieser Podcastfolge – Prof. Dr. Kai Hafez, Professor für Kommunikationswissenschaft mit Schwerpunkt Vergleichende Analyse von Mediensystemen und Kommunikationskulturen. Wenn es um Iran und den Nahen Osten geht, fehle es nur allzu oft an Einordnung, Kontext und einem tieferen Verständnis der Region. Im Gespräch analysiert Prof. Dr. Kai Hafez genau diese Defizite. Seine zentrale These: Der Westen leidet unter einer strukturellen Desorientierung im Umgang mit dem Nahen Osten. Medien berichteten oft fragmentarisch, orientierten sich stark an eigenen Interessen und staatlichen Quellen, ohne diese ausreichend zu hinterfragen. Gleichzeitig mangele es an Wissen, Expertise und historischer Perspektive – sowohl im Journalismus als auch in der Politik. Die Folge seien Fehleinschätzungen, die politische Entscheidungen beeinflussen und Konflikte verschärfen können, aber auch die Berichterstattung der etablierten Massenmedien in eine Schieflage bringen.

    Diese „WortMelder“-Folge beleuchtet, wie eng Medien, Politik, Wissenschaft und Öffentlichkeit miteinander verwoben sind – und warum ihre jeweiligen Schwächen sich gegenseitig verstärken. Hafez kritisiert eine oberflächliche Berichterstattung („In diesen Kriegen auf Distanz reichen unsere Waffen tausende Kilometer weit, wir sehen aber nicht, was wir damit anrichten – genau dann sind die Medien in der Pflicht, diese Lücke zu füllen“), eine zu unkritische Außenpolitik und eine passive Öffentlichkeit. Gleichzeitig formuliert er konkrete Forderungen: Mehr unabhängigen Journalismus, stärkere internationale Expertise und eine aktivere demokratische Debatte. Deutliche Worte und eine Folge über Wahrnehmung, Macht und die Frage, wie informierte Urteilsfähigkeit in Zeiten von Krieg überhaupt möglich ist.

    Prof. Dr. Kai Hafez ist Kommunikations- und Politikwissenschaftler mit einem besonderen Schwerpunkt auf vergleichender Medienforschung sowie globalen Kommunikationskulturen. Als Professor an der Universität Erfurt forscht und lehrt er zu Medien, Politik und Gesellschaft in internationaler Perspektive. In seiner wissenschaftlichen und beratenden Tätigkeit widmet er sich insbesondere Fragen von Migration, Islam und Medien, interkultureller Kommunikation sowie den Wechselwirkungen von Öffentlichkeit, Demokratie und globalen Transformationsprozessen.

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    52 min
  • 80 Jahre DEFA: Das unterschätzte Kino der DDR
    Mar 24 2026

    „Man sollte sich davon lösen, in jedem DEFA-Film nach versteckter Kritik am Staat oder der Partei zu suchen. Film hatte in der DDR auch die Funktion, zu unterhalten – und war nicht nur politisches Statement“, Prof. Dr. Michael Grisko. 80 Jahre Deutsche Film AG, kurz DEFA – ein Jubiläum und zugleich eine Einladung, ein filmisches Universum neu zu entdecken, das lange unterschätzt wurde. Ein abgeschlossener Korpus mit über 700 Spiel- und über 2.000 Dokumentarfilmen, in knapp 50 Jahren von der DEFA in der DDR produziert, der dazu einlädt, erforscht zu werden. Und doch ist die wissenschaftliche Auseinandersetzung bis heute recht übersichtlich. Einer, der sich dagegen intensiv mit der Geschichte der DEFA beschäftigt hat, ist unser Gast dieser Podcastfolge – Prof. Dr. Michael Grisko, Honorarprofessor am Seminar für Medien- und Kommunikationswissenschaft, der betont, dass die DDR wie jede Filmkultur Verflechtungen im Ausland hatte: „Die DDR war kein ‚closed shop’, sondern pflegte auch bei Filmproduktionen Kontakte ins westliche und östliche Ausland. (…) DDR-Geschichte ist auch immer eine Geschichte der kommunizierenden Röhren zwischen West- und Ostdeutschland. In einigen DEFA-Filmen zeigt sich deutlich die Auseinandersetzung mit westlichen Ästhetiken, Ideologien und Narrativen.“

    Im Gespräch mit Prof. Dr. Michael Grisko wird schnell klar: Die DEFA war weit mehr als ein staatliches Filmstudio oder gar Propagandainstrument. Sie war ein komplexes kulturelles System – mit einem starken Fokus auf der Produktion von Kinderfilmen und Literaturverfilmungen, mit überraschend internationalen Verflechtungen. Wie war es Regisseur*innen der DDR möglich, zwischen ideologischen Vorgaben und kreativen Freiräumen, ihre Geschichten zu erzählen, wenn sie sich nicht mit einfachen Antworten zufriedengeben wollten und mehr sagen wollten, als sie durften? Außerdem werfen wir einen Blick auf die Bedeutung von Drehorten, Archiven und dem kulturellen Gedächtnis: Wie wird aus einem Film Kulturerbe? Und warum entscheidet manchmal auch der Zufall darüber, welche Filme bleiben?

    Prof. Dr. Michael Grisko ist Literatur- und Medienwissenschaftler mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Geschichte der DEFA. Als Honorarprofessor an der Universität Erfurt forscht und lehrt er zu Filmgeschichte und Erinnerungskultur. In seinen Publikationen, Ausstellungen und Projekten widmet er sich insbesondere den kulturellen und historischen Kontexten des DDR-Kinos.

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    43 min
  • Wenn der Weg zum Abenteuer wird – Reisen in der Frühen Neuzeit
    Mar 17 2026

    Reisen begeistert Menschen seit Jahrhunderten – auch wenn es früher oft beschwerlich, gefährlich und unberechenbar war. In dieser WortMelder-Folge berichten die Historikerin PD Dr. Astrid Ackermann und die die Geschichtsstudenten Nils Sobecki und Richard Wacker von ihren Forschungen und der gemeinsamen Arbeit an einer Ausstellung zum Reisen in der Frühen Neuzeit. Wir fragen: Wer konnte damals überhaupt reisen? Wie bereitete man sich ohne moderne Hilfsmittel wie Fahrpläne oder digitale Karten vor? Und welchen Gefahren waren die Reisenden unterwegs ausgesetzt? Von Räuberbanden über Krankheiten bis hin zu Naturgewalten wird deutlich, wie unsicher das Reisen damals sein konnte. Zugleich eröffnet das Gespräch überraschende Perspektiven: Empfehlungsschreiben, Reiseapotheken und Poststationen waren entscheidend für das Gelingen einer Reise. Es geht um große Reisegesellschaften, improvisierte Umwege und die Suche nach Unterkünften in unsicheren Situationen. Und nicht zuletzt zeigt sich, dass viele Aspekte des Reisens zeitlos sind – etwa der Wunsch, Neues zu entdecken, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten und die eigenen Erfahrungen festzuhalten.

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    46 min
  • In der Stadt begraben: Über die Macht der Toten
    Jan 20 2026

    „Die Toten beeinflussten Stadtplanung, Infrastruktur und Hygiene – sie waren alles andere als machtlos“, sagt PD Dr. Martin Christ

    Friedhöfe sind weit mehr als Orte der Ruhe – sie erzählen von Macht, Religion, Stadtplanung und gesellschaftlichem Wandel. In dieser Folge WortMelder-Folge spricht der Historiker Martin Christ über die „Macht der Toten“ und darüber, wie Begräbnisse und Bestattungsorte London und München zwischen 1550 und 1870 geprägt haben. Christ führt uns zurück in eine Zeit, in der Tote allgegenwärtiger Teil des urbanen Lebens waren: Ob Kirchhöfe mitten in der Stadt, nächtliche Leichenprozessionen oder anonyme Massengräber während Pest- und Choleraepidemien – der Umgang mit den Toten sagt viel über die Lebenden aus. Christ darüber, wie konfessionelle Unterschiede, soziale Ungleichheit und städtisches Wachstum die Bestattungskultur beeinflusst haben. Eine Folge über Friedhöfe, die zeigt, warum Städte ohne ihre Toten nicht zu verstehen sind – und warum wir ihnen bis heute näher sind, als wir denken.

    PD Dr. Martin Christ ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Kollegforschungsgruppe „Religion und Urbanität: Wechselseitige Formierungen“ am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt. Er hat 2018 an der University of Oxford zur Reformation in der Oberlausitz promoviert. In seinem Habilitationsprojekt beschäftigte er sich mit urbanen Begräbnissen in München und London im Zeitraum ca. 1550-1870. Weitere Forschungsinteressen sind religiöse Koexistenz, südostasiatische Geschichte und Konversionsforschung.

    Lese- und Buchtipps zum Thema und Martin Christ:

    • „Die Stadt und der Tod“, Band 56, Moderne Stadtgeschichte, 2025, hrsg. von Martin Christ und Dieter Schott: https://www.moderne-stadtgeschichte.de/index.php/msg/issue/view/7

    • Blog der Kollegforschungsgruppe „Religion und Urbanität: Wechselseitige Formierungen“: https://urbrel.hypotheses.org/

    • persönliche Website von PD Dr. Martin Christ: https://www.uni-erfurt.de/max-weber-kolleg/personen/vollmitglieder/post-doc-fellows/martin-christ

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    33 min