• Liberalismus: Was sind die Probleme?
    Jul 17 2026

    Der Liberalismus befindet sich in einer tiefen, gleichzeitig von außen und innen genährten Legitimationskrise. Doch diese Krise ist kein Beleg für sein Scheitern, sondern Ausdruck eines Systems, das strukturell auf Selbstkorrektur angelegt ist. Seine Verteidigung erfordert ein wehrhaftes, konsequentes Vorgehen, ohne selbst in Autoritarismus umzuschlagen.
    Der Liberalismus hat historisch gesehen beispiellosen Wohlstand und Freiheit gebracht. Der Fall der Berliner Mauer und das Ende der Sowjetunion inspirierten Francis Fukuyama zur Diagnose vom „Ende der Geschichte“ – die Vorstellung, die liberale Ordnung aus Demokratie, Marktwirtschaft und individuellen Rechten habe sich als endgültiges Modell durchgesetzt.
    Demokratien sind an rechtsstaatliche Regeln gebunden, während ihre Gegner Sabotage, Desinformation und Gewalt einsetzen – eine strukturelle Verwundbarkeit offener Gesellschaften. Reale Probleme wie extreme Vermögensungleichheit und ökologische Grenzen des Wachstums sind berechtigte Kritikpunkte. Der Liberalismus biete keinen vorgefertigten Lebenssinn, sondern individuelle Selbstverantwortung, was als kognitive und emotionale Überforderung erlebt werden kann.
    Der Podcast führt historische, soziologische und psychologische Perspektiven auf den aktuellen Liberalismus zusammen. Fazit: Die gegenwärtige Krise des Liberalismus ist systemimmanent und nicht existenzbedrohend.
    Der Podcast beruht auf dem Buch von Gerald Mackenthun "Liberalismus Die Strategie der freien Welt". Das Buch erschien 2026 im Herder Verlag und kostet 38 Euro. Wer mehr über das Buch erfahren möchte: geraldmackenthun.de/liberalismus

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    22 min
  • "Liberalismus. Die Strategie der freien Welt": Überblick über die Inhalte des Buches
    Jul 15 2026

    In dieser ersten Episode wird das Buch "Liberalismus – die Strategie der freien Welt" des Berliner Psychotherapeuten und Autors Gerald Mackenthun vorgestellt (480 Seiten, Herder-Verlag, 2026, 38 Euro).

    Ausgangspunkt ist die Frage, ob es angesichts scheinbar gefestigter liberaler Ordnungen überhaupt noch ein Buch über Liberalismus braucht. Die Antwort: ja, denn liberale Rechte stehen unter Druck – von außen durch Autokratien und ideologische Gegner, von innen durch Zweifel, Überforderung und liberale Selbstkritik. Der Autor schreibt dabei nicht als neutraler Beobachter, sondern als besorgter Liberaler, der Kritik nicht abwehrt, sondern prüft.

    Das Buch ist kein klassisches Lehrbuch der Ideengeschichte und verzichtet auf eine abschließende Definition. Stattdessen wird Liberalismus als "Haus mit vielen Wohnungen" verstanden: als Lebensform, politisches Ordnungsmodell, wirtschaftliches Prinzip und gesellschaftliche Haltung zugleich. Der Untertitel "Strategie der freien Welt" verweist darauf, dass Liberalismus als zivilisatorische Antwort auf die Frage verstanden wird, wie Menschen frei, sicher und in Würde zusammenleben können, ohne Ideologie oder Führerfigur.

    Der Aufbau folgt zwei Hauptteilen: Erstens die Analyse von vier Bereichen – liberale Persönlichkeit, Wirtschaftsliberalismus, politischer Liberalismus und sozialer Liberalismus. Zweitens ein philosophischerer Teil zur "Kritik der Freiheit", der sich mit Willensfreiheit, den Voraussetzungen von Freiheit und ihren "Preisen" beschäftigt: dem kleinen Preis (die Last der Wahl) und dem großen Preis (die Möglichkeit des Bösen).

    Zentrale Thesen der Episode: Liberalismus bedeutet vor allem Begrenzung von Macht – historisch von der Magna Carta bis zum Grundgesetz erkämpft. Er verlangt vom Bürger nicht nur Rechte, sondern auch Tugenden wie Toleranz, Selbstbegrenzung und Urteilskraft. Wirtschaftlich wird Marktfreiheit verteidigt, ohne Regulierungsbedarf und ökologische Spannungen zu leugnen. Sozial sucht das Buch einen Mittelweg zwischen Fürsorge und Eigenverantwortung. Und Liberalismus wird als "stabile Krise" beschrieben: dauernd selbstkritisch, aber gerade dadurch widerstandsfähig gegenüber Autokratien.

    Auch heikle Themen wie Toleranz versus "zivilisierte Verachtung", Identitätspolitik und der Ukrainekrieg als geopolitische Bewährungsprobe der freien Welt werden angesprochen.

    Die Episode endet mit einem Ausblick auf die kommenden Folgen, die sich einzeln der Geschichte, der liberalen Persönlichkeit, dem Wirtschafts-, dem politischen und dem sozialen Liberalismus sowie dem Freiheitsbegriff selbst widmen werden. Fazit dieser ersten Folge: keine fertige Definition, sondern ein Arbeitsbild von Freiheit als anspruchsvoller, aber lohnender Zumutung.

    Weitere Informationen über das Buch unter geraldmackenthun.de/liberalismus oder direkt beim Herder-Verlag: https://www.herder.de/geschichte-wissen/shop/p8/99640-liberalismus-kartonierte-ausgabe/

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    26 min