Am 26.9.2026 war ich zu Gast im Ludwig-Erhard-Forum für Wirtschaft und Gesellschaft der Ludwig-Erhard-Stiftung, um mit seinem Leiter, Professor Stefan Kolev, zu sprechen. Er wurde 1981 in Sofia geboren, erwarb dort auf einer deutschen Schule das Abitur und kam 1999 zum Studium der Volks- und Betriebswirtschaftslehre nach Deutschland. In Hamburg wurde er an der dortigen Universität mit einer Arbeit über „Die Rolle des Staates in der Wirtschaftspolitik im Werk von Walter Eucken, Friedrich August von Hayek, Ludwig von Mises und Wilhelm Röpke“ promoviert. Es folgte die Leitung eines Forschungsprojekts über „Die Planwirtschaft der DDR – Mythos und Wirklichkeit“ in Erfurt, und schließlich sein Wechsel nach Sachsen. Dort lehrt er seit 2012 an der westsächsischen Hochschule Zwickau und prägt auch als publizistisch sehr aktiver wissenschaftlicher Leiter des die deutsche Debatte über Wege zur Erneuerung unserer sozialen Marktwirtschaft mit. Gerade ist sein Buch „Wohlstand für Junge“ erschienen, ein Plädoyer dafür, die notwendige Erneuerung Deutschlands von den Zukunftschancen der jungen Generation her zu denken. Er schildert zunächst seine Jugend im krisengeschüttelten Bulgarien der tiefgreifenden Umbrüche nach dem Sturz der kommunistischen Herrschaft und seinen Bildungsweg, als er dank deutscher Lehrer und Lektüren bereits aufmerksam die deutsche politische und ökonomische Entwicklung im Zuge der Wiedervereinigung studierte. In Deutschland angekommen, erlebte er den damaligen "kranken Mann Europas" (Economist) und die Agenda 2010 - Reform der Regierung Schröder/Fischer. In seinem neuen Buch "Wohlstand für Junge" stellt er am Beispiel zweier typischer Zwickauer Studenten dar, was getan werden müsste, um strebsame Junge vom Auswandern abzuhalten sowie davon, der politischen Mitte den Rücken zu kehren und, wie in den Septemberwahlen von Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin geschehen, Radikale zu wählen. Angesichts eines sich immer weiter auftürmenden "Krisenburgers" (Kolev) seit dem 11.9.2001, der Weltfinanzkrise von 2008, den Energie- und Migrationskrisen, Covid und einer daraus erwachsen Instabilität, über die viele Ältere sich lange hinweggetäuscht haben ("das beste Deutschland aller Zeiten"), zerbrechen diese Illusionsblasen nun umso drastischer. Kolev richtet im Buch wie in diesem Gespräch einen mit Zahlen, Daten, Fakten unterlegten überzeugenden leidenschaftlichen Appell an die an den politischen Schalthebeln sitzenden Entscheider, aber auch an uns Mitbürger und Wähler, nicht weiter auf Kosten der jungen Generation den Stillstand zu verwalten und zu dulden, sondern beherzt zu handeln. Das Gespräch endet mit einer besorgten, aber in der Hoffnung auf beherzte Reformen skeptisch zuversichtlichen Perspektive, die er einem 10-Punkte-Reformpapier zur Stärkung der Resilienz der deutschen Wirtschaft zusammen mit dem Princeton-Ökonomen Markus Brunnermeier formuliert hat.
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