Psychiatrie im Alltag copertina

Psychiatrie im Alltag

Psychiatrie im Alltag

Di: Andreas Pfeiffer & Werner Höhl
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Psychiatrische Krisen sind alltäglich… über ein Drittel aller EU Bürger sind im Laufe des Lebens von einer behandlungsbedürftigen psychiatrischen Erkrankung betroffen. Andersherum wirken sich seelische Erkrankungen stark auf den Alltag der Menschen aus, die davon betroffenen sind. Andreas Pfeiffer (Ergotherapeut) und Werner Höhl (Psychologe) wollen durch Gespräche mit Experten über die Auswirkungen auf den Alltag, Herausforderungen und Chancen informieren.Werner Höhl & Andreas Pfeiffer Igiene e vita sana Psicologia Psicologia e salute mentale
  • „Zwischen den Extremen“ - Leben mit einer bipolaren Störung
    Oct 2 2026

    „Ich bin froh, dass ich Betroffene bin und nicht meine Eltern." Mit diesem Satz bringt unser heutiger Gast Laura Thole auf den Punkt, was diese Folge von Psychiatrie im Alltag so besonders macht.

    Laura ist 34 Jahre alt, arbeitet seit vier Jahren als Genesungsbegleiterin – und lebt selbst mit einer bipolaren Störung. Offen und mit bemerkenswerter Klarheit erzählt sie, wie sich Manie wirklich anfühlt: erst euphorisch, mitreißend, grenzenlos – und dann außer Kontrolle. Sie berichtet von vier Zwangseinweisungen, einer abgebrochenen Masterarbeit im Lehramt, psychotischem Wahnerleben und davon, wie sie nach der manischen Phase immer wieder in tiefe, manchmal suizidale Depressionen fiel.

    Besonders eindrücklich beschreibt Laura ihre Frühwarnzeichen – ihr Bild von der „Dampflok", die schon Gas gibt, obwohl vorne noch ein Hindernis liegt – und wie sie es schafft, rechtzeitig gegenzusteuern, bevor die Erkrankung wieder „das Steuer übernimmt". Auch das Thema Medikamente kommt unbeschönigt zur Sprache: Lithiumvergiftung, Gewichtszunahme, der lange Weg zur richtigen Einstellung – und warum ein offener, reflektierter Umgang mit Wirkung und Nebenwirkungen so wichtig ist.

    Diese Folge zeigt eindrücklich: Eine bipolare Störung bedeutet nicht das Ende eines normalen Lebens. Sie zeigt, dass Stabilität möglich ist – mit Selbstfürsorge, guter Behandlung und dem Mut, offen darüber zu sprechen. Genau das wollen wir mit Psychiatrie im Alltag erreichen: psychische Erkrankungen entstigmatisieren, ihre Alltäglichkeit zeigen – und die Hoffnung, dass sie behandelbar sind.

    Eine Folge für Angehörige, Betroffene, Fachkräfte und alle, die verstehen wollen, was hinter der Diagnose „bipolare Störung" wirklich steckt.

    Bipolare Störung

    Deutsche Gesellschaft für Bipolare Störungen e. V. (DGBS) – https://dgbs.de/

    Universitätsklinikums Bonn (UKB)

    https://www.ukbonn.de/psychiatrie-und-psychotherapie/klinisches-spektrum/bipolare-stoerungen/

    Thema EX-IN & Genesungsbegleitung

    EX-IN Deutschland – Genesungsbegleitung – https://ex-in.de/ex-in-kurse/ex-in-genesungsbegleitung/

    Folgen unseres Podcasts zu verwandten Themen:

    Empowerment: Folge 71

    Psychosen: Folge 58

    Recovery: Folge 7 und 52

    Schizophrenie: Folgen 39 und 41

    Genesungsbegleitung: Folge 9

    Hilfsangebote

    Telefonseelsorge (kostenlos, anonym, 24/7) – https://www.telefonseelsorge.de

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    39 min
  • „Was macht einen guten Tag aus?“ – Zufriedenheit im Alltag bei psychischen Erkrankungen
    Sep 4 2026

    Wie zufrieden bin ich mit dem, was ich Tag für Tag tue? Diese Frage taucht in kaum einem psychiatrischen Befund auf – und ist für das Wohlbefinden von Menschen mit psychischen Erkrankungen doch entscheidend.

    In dieser Folge sprechen Werner Höhl und Andreas Pfeiffer mit dem Ergotherapeuten Julius Reckert, der in einer Duisburger Praxis im Fachbereich Psychiatrie und Psychosomatik arbeitet. Es geht darum, wie ein Alltag kippt – leere Tage, verschobene Rhythmen, verlorene Rollen – und was Menschen hilft, wieder zu einem Tag zu finden, der sich für sie gut anfühlt.

    Ein wiederkehrender Gedanke dabei: Zufriedenheit ist keine Frage der Menge. Manche Menschen tun sehr viel und sind unzufrieden, andere tun wenig und leben gut damit. Genau diese Lücke macht ein Instrument sichtbar, das Julius in seiner Praxis erprobt hat: das SDO – Satisfaction with Daily Occupations, entwickelt von Mona Eklund an der Universität Lund und seit 2026 auch auf Deutsch erhältlich.

    Ein Gespräch über kleine Schritte, realistische Ziele, den Umgang mit Rückschlägen – und darüber, wem der Maßstab für ein gelungenes Leben eigentlich gehört.

    Transparenzhinweis: Werner Höhl und Andreas Pfeiffer sind selbst an der deutschsprachigen Fassung des SDO beteiligt. Diese Folge ist keine Werbung, sondern ein Gespräch über Praxiserfahrungen.

    Zum Gast

    Praxis für Ergotherapie und Handrehabilitation Ina Beyer, Duisburg, Team

    http://ergotherapie-duisburg.com/Team/

    Das SDO auf Deutsch

    Satisfaction with Daily Occupations (SDO) – Interviewbasiertes Screening zur Zufriedenheit mit täglichen Betätigungen. Mona Eklund, deutsche Übersetzung und Adaption von Leonie Esenwein und Caroline Züger, 1. Auflage 2026
    https://www.skvshop.de/ergotherapie/satisfaction-with-daily-occupations-sdo-978-3-8248-1379-7.html

    Kostenlose Leseprobe inkl. Inhaltsverzeichnis: https://www.skvshop.de/shop/images/files/editor/file/Leseproben/Leseprobe_SDO.pdf

    Forschung zum SDO (international)

    Vidaña-Moya, L. et al. (2020): Cross-Cultural Adaptation, Validation and Reliability of the Spanish SDO-OB. International Journal of Environmental Research and Public Health, 17(23), 8906 (Open Access): https://www.mdpi.com/1660-4601/17/23/8906/pdf

    Test-Retest-Reliabilität und Konstruktvalidität einer japanischen Version des SDO-OB für Menschen mit psychischen Erkrankungen (2025):
    https://www.researchgate.net/publication/393334561_Test-retest_reliability_and_construct_validity_of_a_Japanese_version_of_the_Satisfaction_with_Daily_Occupations_and_Occupational_Balance_for_people_with_mental_illness

    Eklund, M. (2004): Satisfaction with Daily Occupations – A Tool for Client Evaluation in Mental Health Care (die Originalpublikation, Abstract): https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/11038120410020700

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    34 min
  • Wann gilt Magersucht als geheilt? – Therapie, Genesung und 35 Jahre eigene Geschichte
    Aug 7 2026

    Wann gilt eine an Magersucht erkrankte Person eigentlich als geheilt? Diese Frage beschäftigt unseren Gast Maren Pruss seit vielen Jahren – als Psychologin, systemische Therapeutin und Inhaberin einer Praxis mit Schwerpunkt Essstörungen in Düsseldorf. Die häufigste Antwort, die sie in Vorträgen für Eltern hört, lautet: „wenn sie wieder normal isst“. Genau daran zeigt sich, wie wenig über diese Erkrankung oft bekannt ist.

    Wir sprechen darüber, was bei einer Anorexia nervosa psychisch geschieht, was systemische Therapie dabei leisten kann und was Angehörige wissen sollten – zwischen Sorge, Unsicherheit und gut gemeinten, aber nicht immer hilfreichen Reaktionen.

    Und diese Folge hat eine besondere Seite: Maren Pruss spricht zum ersten Mal öffentlich über ihre eigene, über 35 Jahre zurückreichende Erfahrung mit Magersucht. Eine Perspektive, die im öffentlichen Gespräch – das oft von jüngeren Betroffenen geprägt ist – selten zu hören ist.

    Aufgenommen haben wir diese Folge vor Ort in Düsseldorf. Nach Folge 27 mit Maja Schelewsky ist das unsere zweite Folge zum Thema Magersucht – diesmal aus der therapeutischen Perspektive. Und diese folge ich auch ein schönes Beispiel für persönliches Recovery.

    Wichtiger Nachtrag von Maren Pruss:

    Im Podcast habe ich mich missverständlich ausgedrückt: Kinder unter 14 Jahren haben grundsätzlich eine ebenso gute Heilungsprognose wie ältere Jugendliche. Meine Aussage bezog sich ausschließlich auf die Prävention, da jüngere Kinder durch soziale Medien besonders beeinflussbar sein können. Für die Heilungsprognose sind vor allem eine frühe Diagnose und ein rascher Therapiebeginn entscheidend.

    Shownotes

    Unser Gast

    Praxis Pruss, Düsseldorf – Website (dort auch alle Kontaktdaten): https://www.praxis-pruss.de/

    Schwerpunkt „Special Ess-Störung“: https://www.praxis-pruss.de/specialessstörungen

    Hilfe und Beratung

    Infotelefon zu Essstörungen des BIÖG (früher BZgA) – anonym und kostenlos, Mo–Do 10–22 Uhr, Fr–So 10–18 Uhr, Tel. 0221 892031: https://essstoerungen.bioeg.de/hilfe-finden/welche-beratung-gibt-es/telefonberatung/

    Beratungsstellen-Suche des BIÖG – Angebote in Wohnortnähe finden: https://essstoerungen.bioeg.de/hilfe-finden/wie-finde-ich-beratung/datenbank-essstoerungen/

    Weiterführende fachliche Informationen

    Deutsche Gesellschaft für Essstörungen (DGESS) – Informationen für Betroffene und Angehörige, mit Selbsttest und Adressen: https://www.dgess.de/hilfe/fuer-betroffene-und-angehoerige

    S3-Leitlinie und Patientenleitlinie „Diagnostik und Therapie der Essstörungen“ (AWMF-Register 051-026): https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/051-026

    Passend dazu aus unserem Podcast

    Unsere Folge 27 „Anorexie“ – mit Maja Schelewsky, aus der Betroffenenperspektive: https://open.spotify.com/episode/6QE768gi5kxcUWk4tgUPpN

    https://podcasts.apple.com/de/podcast/anorexie/id1507379225?i=1000586713869

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    42 min
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