#04: Lukas Betzler über Sarah Kirsch – Schwarze Bohnen copertina

#04: Lukas Betzler über Sarah Kirsch – Schwarze Bohnen

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Ist Sarah Kirschs Gedicht Schwarze Bohnen von 1968 ein melancholisches, verzweifeltes, pessimistisches Gedicht? So unterschiedliche Leser wie Günther Deicke, dogmatischer Verfechter eines sozialistischen Realismus, und Marcel Reich-Ranicki, Literaturkritiker und Advokat der literarischen Moderne und Avantgarde, waren sich darüber jedenfalls einig. Lukas Betzler hingegen zeigt in seiner Lektüre, dass insbesondere Reich-Ranicki in seinem Beitrag zur Frankfurter Anthologie ein äußerst ungenauer Leser ist. Mit seinem männlichen Blick übersieht er, dass im Zentrum des Gedichts Verwandlungen – magische und weniger magische – stehen. Verwundern sollte das nicht, schließlich erschien das Gedicht im Band Zaubersprüche: Es enthält Gedichte, die, so Sarah Kirschs Hoffnung, „Hexen, wenn es sie gäbe, […] als Fachliteratur nutzen könnten“.

Lukas Betzler ist Literatur- und Kulturwissenschaftler. Er hat an der Leuphana Universität Lüneburg promoviert und ist derzeit Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Universität Hildesheim.

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Aus urheberrechtlichen Gründen kann das Gedicht an dieser Stelle leider nicht wiedergegeben werden. Bei Planet Lyrik lässt sich das Gedicht nachlesen: https://www.planetlyrik.de/lyrikkalender/sarah-kirschs-gedicht-schwarze-bohnen/

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Weiterführende Links:

Marcel Reich-Ranickis Beitrag zu „Schwarze Bohnen“ in der Frankfurter Anthologie: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/frankfurter-anthologie/marcel-reich-ranicki-in-der-frankfurter-anthologie-schwarze-bohnen-von-sarah-kirsch-12654855.html

Auf der Planet-Lyrik-Seite zu Sarah Kirschs Zaubersprüchen finden sich u.a. das auf dem Cover der Erstausgabe abgedruckte Interview mit Sarah Kirsch sowie Adolf Endlers Beitrag „Sarah Kirsch und ihre Kritiker“ aus Sinn und Form 1/1975: https://www.planetlyrik.de/sarah-kirsch-zauberspruche/2010/11/

Sehr empfehlenswert ist auch Peter Hacks’ 1974 in der Zeitschrift ndl erschienene Essay Der Sarah-Sound, in dem er nicht ohne Ironie, aber doch mit großer Präzision den Verfahren hinter Kirschs so unverwechselbaren Ton nachgeht: https://lyrikkritik.de/archive/2010/poetik/hacks_sarahsound.html

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