Ich war mal die Lauteste am Tisch copertina

Ich war mal die Lauteste am Tisch

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Offen über Sex reden — Shownotes Episode 009 Ich habe letzte Woche drei Sprachnachrichten an meine beste Freundin aufgenommen und alle drei wieder gelöscht. Zwei Fragen wollte ich ihr stellen: ob ihr Zyklus auch macht, was er will. Und ob sie überhaupt noch Lust hat. Am Ende habe ich ein Herz zurückgeschickt. In dieser Folge geht es darum, warum ich offen über Sex reden konnte, als ich Mitte dreißig war, und warum ich es heute nicht mehr tue. Vor zehn Jahren war ich die, zu der auf jeder Feier die Leute gekommen sind. Einzeln, meistens spät am Abend, immer mit derselben halben Entschuldigung im Gesicht. Der eine am Grill, die andere am Getränketisch, eine auf der Treppe, die eigentlich nur zur Toilette wollte und dann zwanzig Minuten stehen geblieben ist. Ich war keine Fachfrau. Ich war die, die nicht rot geworden ist. Das war der ganze Unterschied. Aufgehört hat sie damit nicht an einem bestimmten Tag. Es gab keinen Knall und keine Szene, die sich zu erzählen lohnt. Es gab Gründe — manche einfach, manche saßen tief, manche waren selbst erfunden. Und dann ist sie der Sache einfach nicht mehr nachgegangen. Irgendwann war sie die, die am Tisch mitlacht und nichts mehr sagt. Genau diese Frau sitzt heute mit einem Mikrofon da und redet über Lust. In Umschreibungen. Mit halb geschlossener Tür. Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick Diese Folge erzählt von einer Frau, die ihre eigene Offenheit verloren hat, ohne es zu merken. Nicht an einem Tag und nicht wegen eines Dramas, sondern Wort für Wort. Aus Selbstbefriedigung wird „ich habe mich um mich gekümmert". Aus Vulva wird „da unten". Aus dem Vibrator wird „das Ding in der Schublade". Jede dieser Umschreibungen fühlt sich im Moment höflich an und macht die Sache trotzdem größer, nicht kleiner. Dazu kommt die Perimenopause: heftigere Stimmungsschwankungen, ein deutlich kürzerer Geduldsfaden — und die überraschende Nebenwirkung, dass die Kapazität für vorsichtige Rücksicht einfach aufgebraucht ist. In der Folge geht es außerdem um ein Gespräch beim Zähneputzen, das leichter war als drei gelöschte Sprachnachrichten, und um einen Abend im Wohnzimmer ein paar Tage später. Peinlichkeit ist ansteckend — Gelassenheit auch. Wer am Tisch das Wort Klitoris sagt wie das Wort Nudelsalat, verändert damit den ganzen Tisch. Die anderen fangen nicht an zu witzeln. Sie fangen an zu fragen.Reden hat die Lust vergrößert. Nach den Abenden, an denen stundenlang über Sex geredet wurde, kam Susanne mit mehr Lust nach Hause. Nicht wegen einer bestimmten Person, sondern wegen der Offenheit selbst.Umschreiben macht die Scham größer. Jedes umgangene Wort ist die Botschaft an sich selbst: Dieses Wort ist zu groß für dich. Am Ende bleiben nur noch Andeutungen übrig.Die vermutete Ablehnung ist selten belegt. Susanne war jahrelang sicher, dass ihre Freundin über dieses Thema nicht reden will — ohne einen einzigen Beweis dafür. Gefragt hat sie nie.Ein kürzerer Geduldsfaden ist nicht dasselbe wie offen reden. Pampig werden geht von allein. Klar sagen, was man will, muss man üben. Es ist eine Folge über zehn verlorene Jahre und über den Punkt, an dem sie beschlossen hat, sich diese Frau zurückzuholen. Sie fängt damit hier an. Shownotes und Episodendetails Es gibt diesen Moment, in dem eine Nachricht schon fertig aufgesprochen ist und der Daumen trotzdem auf „löschen" geht. Nicht weil die Frage falsch wäre. Sondern weil sie plötzlich zu groß aussieht für eine Freundschaft, die seit über zwanzig Jahren hält. Wie aus einer lauten Frau eine leise wurde Mitte dreißig hat Susanne angefangen, offen über Sex zu reden. Nicht als Projekt und nicht als Haltung, sondern weil sie irgendwann aufgehört hat, um die Wörter herumzulaufen. Die Wirkung kam sofort. Auf Feiern kamen die Leute einzeln zu ihr, oft erst nach dem Nachtisch, oft Menschen, die sie gar nicht kannte. Männer genauso wie Frauen — und die Männer hatten deutlich mehr Fragen, als man ihnen normalerweise zutraut. Und dann verschwand das wieder. Langsam, unspektakulär, ohne dass jemand etwas gesagt hätte. Was die Perimenopause damit zu tun hat Die Stimmungsschwankungen sind heftiger geworden. Öfter, deutlicher, und man sieht sie ihr inzwischen an. Das nervt. Gleichzeitig ist der Geduldsfaden kürzer geworden — und zwar nicht nur an der Supermarktkasse. Er ist auch kürzer geworden für Rücksicht. Für das vorsichtige Formulieren, damit sich außer ihr selbst niemand unwohl fühlt. Das war früher Höflichkeit. Heute ist es einfach zu anstrengend. Diese Nebenwirkung wird selten erwähnt, wenn über Wechseljahre gesprochen wird. Sie ist unbequem und sie ist ziemlich brauchbar. Warum Umschreibungen die Scham vergrößern „Ich habe mich um mich gekümmert." Das klingt nach Yogamatte und Kamillentee. Gemeint ist Selbstbefriedigung. Jedes Mal, wenn ein Wort umgangen wird, steckt darin dieselbe Nachricht an sich selbst: Dieses Wort ist zu groß für ...
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