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Das Flämmchen

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Lust wieder spüren — warum ich nackt durch den Flur gelaufen bin Ich dachte lange, meine Lust kommt irgendwann von allein zurück. Groß, laut und eindeutig, so wie früher. Stattdessen habe ich etwas anderes gelernt: Lust wieder spüren fängt bei mir viel kleiner an. Mit einem leisen Ziehen nach dem Duschen. An einem Dienstag um drei. In dieser Folge erzähle ich von genau diesem Dienstag. Von der Hand auf meinem Bauch. Von einem Handtuch auf dem Boden. Und von einem Wasserglas, das ich nie getrunken habe — denn das Glas war nur mein Alibi. Falls die Lust unterwegs verschwindet, war ich offiziell nur durstig. So weit war es mit mir gekommen: Ich hatte einen Rückzugsplan für meine eigene Lust. Worum es in dieser Folge geht Das Flämmchen: warum meine Lust heute kurz auflodert, statt einfach zu brennen wie früherDer Automat in mir: wie Gewohnheit über meinen Nachmittag entscheidet, ohne mich zu fragenWarum die Mail gegen den Sex gewinnt — und was das mit Drohen zu tun hatPflegen oder drübertrampeln: die Entscheidung, die ich jahrelang nicht als Entscheidung erkannt habeDer Unterschied zwischen Verwaltung und bewusstem Berühren Lust wieder spüren beginnt mit Hinschauen Meine härteste Lektion war nicht, wie ich mir die Lust zurückhole. Sondern, wie ich aufhöre, sie zu übersehen. Denn sie war oft da. Sie hat kurz gelodert, und ich habe gedacht: gleich. Danach war sie weg. Ein Flämmchen kann nämlich nicht warten. Das ist keine Bosheit, das ist seine Natur. Deshalb geht es in dieser Folge um die zwei Sekunden zwischen dem Ziehen und dem, was ich damit mache. Früher hätte der Alltag gewonnen. Anziehen, föhnen, Mail, weiter im Programm. An diesem Dienstag lief es zum ersten Mal anders. Und ja — es hat sich gelohnt. Die Momente, die ich übersehen habe Wie das Übersehen aussieht, beschreibe ich in der Folge ziemlich genau. Abends auf dem Sofa meldet sich etwas, und ich denke: schön, nachher im Bett. Im Bett bin ich dann eingeschlafen. Oder es funkelt kurz, und gleichzeitig fällt mir ein, dass ich noch tanken muss. Tanken! Gegen eine Tankstelle hatte das Flämmchen keine Chance. Genau dafür gibt es keine Strichliste. Ich kann nicht wissen, wie viele solcher Momente ich verpasst habe. Aber ich kann ab jetzt anders hinschauen. Darum geht es hier: nicht um eine neue Technik, sondern um Aufmerksamkeit. Meine Lust braucht meine Aufmerksamkeit. Nicht seine. Meine. Das hat mir mit Mitte vierzig niemand mehr sagen müssen — ich habe es an einem einzigen Nachmittag verstanden. Für wen diese Folge ist Für dich, wenn deine Lust leiser geworden ist und du dich fragst, ob sie überhaupt noch da ist. Für dich, wenn du das Gefühl von früher vermisst — dieses Feuer, das einfach da war und brannte, ohne dass du etwas dafür tun musstest. Außerdem für dich, wenn bei dir auch immer irgendwas Dringendes dazwischenkommt. In der letzten Folge habe ich erzählt, dass meine Lust meistens einen Anlass braucht. Diesmal erzähle ich vom Gegenteil: von dem seltenen Moment, in dem sie von allein anklopft. Und davon, was passiert, wenn ich ihr endlich aufmache. Ein Dienstag, ein Handtuch, ein Wasserglas Die Geschichte beginnt unspektakulär. Ich hatte geduscht, weil morgens keine Zeit war. Dann stand ich im Bad, habe kurz die Hand auf meinen Bauch gelegt, und da war dieses Ziehen. Nicht dramatisch. Eher wie jemand, der vorsichtig anklopft und schon halb wieder gehen will. Ich habe gedacht: Na guck. Du lebst ja noch. Und dann kam der Moment, um den sich die ganze Folge dreht. Der Automat in mir griff schon nach der Unterwäsche. Der Automat ist der Teil von mir, der Tage abwickelt — er funktioniert komplett ohne mich. Aber diesmal bin ich mitten in der Bewegung stehen geblieben. Hand in der Luft. Warum eigentlich nicht jetzt? Wer hat festgelegt, dass Dienstag um drei nicht zählt? Ich habe auf eine Antwort gewartet. Es kam keine. Da war nur Gewohnheit, und Gewohnheit ist kein Argument. Acht Meter Flur, zwei Stimmen im Kopf Also bin ich nackt losgelaufen, mit einem leeren Glas als Sicherheitsnetz. Auf dem Weg liefen zwei Stimmen parallel. Die eine fand das albern. Die andere sagte nur: weitergehen. Irgendwo auf diesen acht Metern ist das Alberne gekippt und wurde großartig. Ich habe mich gefühlt wie eine, die was vorhat. Das hatte ich lange nicht. Was danach kam, erzähle ich in der Folge nicht komplett. Aber so viel: Mein Körper hat sofort mitgemacht. Ohne Anlauf, ohne banges Warten. Mittendrin dachte ich: Das gibt es also noch. Nicht als Erinnerung, sondern als Gegenwart. Warum die Mail sonst immer gewinnt Hinterher saß ich auf dem Sofa und habe verstanden, warum ich solche Momente jahrelang übersehen habe. Der Alltag droht nämlich. Die Mail wird dringender, je länger sie liegt. Der Termin platzt. Das Flämmchen dagegen droht nicht. Wenn ich es übergehe, passiert nichts — kein Vorwurf, keine Mahnung. Es geht einfach. Deshalb verliert es jeden Vergleich mit allem, was laut ist. Eine Mail ...
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